„Hamilton“ ist ein Musical, bei dem man um Superlative kaum herumkommt. Elf Tony Awards, ein Grammy und der Pulitzer-Preis sind nur die Spitze des Eisberges, wenn man die Auszeichnungen aufzählt, die Autor Lin-Manuel Miranda für seinen großen Wurf erhielt. Seit der Premiere 2015 ist „Hamilton“ am New Yorker Broadway eines der heißesten Tickets der Stadt, auf das Fans oft monatelang warten. Aber wird sich der Erfolg auch in Hamburg wiederholen, wo die Show Anfang Oktober ihre Premiere feiert?
Das Team von Stage Entertainment ist davon fest überzeugt – wobei man sich der Herausforderungen durchaus bewusst ist. An erster Stelle steht hier die Übersetzung. Denn das, was Miranda zu Papier brachte, ist ein mutiger Stilmix, der wenige klassische Musicalnummern enthält, dafür aber aus Genres wie R’n’B, Hip Hop und Rap schöpft. Was vor allem eines bedeutet: viel Text in sehr kompakter Form. Einige Skeptiker dürfte man allerdings schon beruhigt haben: Die ersten Ausschnitte, die anlässlich der Cast-Präsentation im Hamburger Operettenhaus zu hören waren, gingen dem aus 13 Nationen zusammengewürfelten Ensemble ziemlich gut über die Lippen.
Verantwortlich für die authentische Übersetzung zeichnet neben Musical-Profi Kevin Schröder der Rapper Sera Finale, der neben eigenen Songs unter anderem auch für Sido textete. Die perfekte Mischung für ein Stück wie „Hamilton“, dessen Libretto aufgrund des hohen Tempos gut dreimal so umfangreich ausfällt wie bei einem herkömmlichen Musical.
Umso begeisterter zeigt sich Schröder über die Zusammenarbeit mit Lin-Manuel Miranda, der neuen Ideen sehr offen gegenüber stand. „Das Stück ist eine Liebeserklärung von Lin an die Dinge, mit denen er musikalisch groß geworden ist“, sagt Schröder. „Da gibt es viele Anspielungen auf Broadway-Stücke, aber eben auch auf Hip-Hop-Künstler. Und weil das in der Übersetzung schwierig wird, war unser Anspruch, auch ein paar deutsche Referenzen einfließen zu lassen.“
Pate standen hier unter anderem Ferris MC, Kool Savas oder die Fantastischen Vier sowie einige andere, die man vorerst noch nicht verraten wollte. Ebenso divers aufgestellt wird auch die Besetzung sein, die im Herbst die Bühne des Operettenhauses stürmt. Ein genialer Twist, der bereits die Originalproduktion auszeichnete. Denn selbst wenn „Hamilton“ rund um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und die Entstehung der US-Verfassung kreist, sah Miranda im Leben des ersten US-Finanzministers eine universal gültige Geschichte über Ambition, Familie und Durchsetzungsvermögen. Und so werden neben dem Titelhelden auch George Washington, Thomas Jefferson und die sie umgebenden alten weißen Männer bewusst mit Darstellern afroamerikanischer, asiatischer oder lateinamerikanischer Abstammung besetzt. Und dies, um auf der Bühne endlich jene Diversität abzubilden, die in unserer immer enger zusammenwachsenden Welt längst Realität ist.
Authentisch wird die Hamburger Besetzung allein dadurch, dass viele der Beteiligten ihre eigene Geschichte spielen. So etwa der Amerikaner Charles Simmons, der seit 30 Jahren in der deutschen Musikszene aktiv ist und sich freut, „eine Story aus meinem Geburtsland in meinem Heimatland zu erzählen“. Ähnlich geht es Gino Emnes, der Hamiltons Widersacher Aaron Burr verkörpert. Er war in Hamburg bereits in den Premieren von „König der Löwen“, „Rocky“ oder „Kinky Boots“ dabei: „Ich hatte eine tolle Karriere. Aber ich bin bis heute der einzige schwarze Mann, der in Deutschland eine solche Karriere gemacht hat. Deshalb hoffe ich, dass wir mit dieser Show die Tür für junge Talente weiter öffnen.“
Wie es sich für „Hamilton“ gehört hatte die Casting-Abteilung jedoch nicht nur bei Musical-Größen angeklopft, sondern den Blick über den Tellerrand schweifen lassen. So listet die Besetzung den Hamburger Rapper Redchild sowie Ivy Quainoo. Auch die Gewinnerin der ersten Staffel von „The Voice of Germany“, die nach ihren Charterfolgen eine Schauspielausbildung in New York absolvierte, fiebert der neuen Erfahrung entgegen: „Musical war für mich nie relevant, weil mir die meisten Shows nicht zugesagt haben. Aber hier war das anders. Es ist wichtig, nicht in irgendwelchen Schubladen hängen zu bleiben. Hier haben mich viele zunächst in der Rolle der Angelica gesehen, weil das eine Powerfrau ist. Doch irgendwie habe ich Eliza, Hamiltons Frau, mehr gefühlt. Ich freue mich, dass ich meine weiche Seite zeigen kann.“
Premiere
am 4. Oktober,
Termine und Karten unter
stage-entertainment.de.