Wenige Kombinationen gehen für einen bayerischen Abend auf dem Tollwood besser zusammen als die vielschichtige, tiefgründige Musik von Dreiviertelblut und der kracherte bayerische Balkan-Sound von Django 3000. Zu einem Doppelkonzert der besonderen Art sind die beiden befreundeten Bands angetreten, die moderne Volksmusik spielen, die ganz weit weg ist von Folklore.
Den Anfang machen am Sonntagabend Dreiviertelblut, um die Zeit voll nutzen zu können, trompetet es pünktlich ab 18 Uhr aus dem Zelt. „Wannst mim Deife tanzt, dann brauchst guade Schua“, heißt es in ihrem Song „Deifedanz“. Vor allem aber braucht man an diesem Abend gute Kondition: Bei weit über 30 Grad drinnen wie draußen fürchtet Sänger Sebastian Horn nicht ganz zu Unrecht um seine Mama, die sich im Publikum befindet.
Der ehemalige Sänger der Bananafishbones und der Filmkomponist Gerd Baumann haben sich vor zehn Jahren zusammengetan, um, nun ja, Filmmusik zu machen. Dreiviertelblut bedienen die ganze Gefühlspalette von tieftraurig, sphärisch und nachdenklich zu beschwingt und ekstatisch. Und so spielt die inzwischen siebenköpfige Kombo sich und das Publikum auf höchstem Niveau schwindlig. Am neuen Album arbeiten sie noch, erklärt Horn, aber die neuen Lieder testen sie natürlich trotzdem am begeisterten Tollwood-Publikum.
Das Album „Alibabo“ von Django 3000 ist gerade erschienen, freilich bringen auch die vier Chiemgau-Gypsies die neue Musik mit ins Zelt. Mag sein, dass „Heidi“ sie alle auf die Tanzfläche zwingt. Aber eigentlich macht kein Lied der Band Stillstand unterm Zeltdach möglich.
Django 3000 spielen zum Tanz auf. Wenn Korbinian Kugler den Kontrabass über die Bühne schleift und sie am Schlagzeug bei Jan-Philipp Wiesmann zusammenkommen, meint man, Teil einer intimen Jam-Session zu werden. Das Publikum nehmen sie freilich mit: Sänger Kamil Müller lässt die Fans singen und pfeifen, und zum wilden Geigenspiel von Florian Starflinger muss man einfach tanzen. Insofern ist der Auftritt brachialer als der von Dreiviertelblut, die auf ihre Art mitzureißen wissen. Virtuos waren beide – besser geht’s einfach nicht zusammen. KATHRIN BRACK