Die heftig umstrittene, großflächige Installation auf der documenta in Kassel wird abgebaut. Das teilte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) mit. Das Werk „People’s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi hatte mit antisemitischen Motiven für eine Welle der Empörung gesorgt. Die Installation zeigt unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ – der Name des israelischen Auslandsgeheimdienstes.
Die Verantwortlichen der documenta hatten zunächst entschieden, das Werk lediglich mit schwarzen Stoffbahnen zu verhängen – drei Tage, nachdem es installiert worden war. Gestern Nachmittag zogen die Verantwortlichen dann die Reißleine, zuvor hatte sich unter anderen Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) für die Entfernung ausgesprochen.
Das Internationale Auschwitz Komitee rief unterdessen zum Dialog mit den Künstlern auf, um „zu hören, aus welcher Weltsicht diese Bilder entstanden sind“, forderte Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees. Die israelische Botschaft in Berlin warf der Weltkunstausstellung vor, „Propaganda im Goebbels-Stil“ zu befördern.
Am Montagabend wurde das Werk zunächst abgedeckt. Taring Padi habe sich gemeinsam mit Geschäftsführung und Künstlerischer Leitung dazu entschieden, da die Darstellung „antisemitische Lesarten ermöglicht“, teilte die documenta mit. Die kritisierte Arbeit wurde nicht für die documenta gefertigt, sondern war erstmals 2002 in Australien zu sehen. Vorab war sie seitens der documenta offensichtlich nicht auf kritische Inhalte überprüft worden. Die Geschäftsführung sei „keine Instanz, die sich die künstlerischen Exponate vorab zur Prüfung vorlegen lassen kann und darf das auch nicht sein“, sagte Generaldirektorin Sabine Schormann. Das Banner sei „im Kontext der politischen Protestbewegung Indonesiens entstanden. Dies ist das erste Mal, dass die Arbeit in Deutschland und in Europa gezeigt wird. Alle Beteiligten bedauern, dass auf diese Weise Gefühle verletzt wurden.“
Auch das Kollektiv Taring Padi entschuldigte sich „für die entstandenen Verletzungen“. Die Installation sei „Teil einer Kampagne gegen Militarismus und die Gewalt, die wir während der 32-jährigen Militärdiktatur Suhartos in Indonesien erlebt haben und deren Erbe, das sich bis heute auswirkt“. Die Darstellung sei Ausdruck dieser Erfahrungen. „Alle Figuren nehmen Bezug auf eine im politischen Kontext Indonesiens verbreitete Symbolik, zum Beispiel für die korrupte Verwaltung, die militärischen Generäle und ihre Soldaten, die als Schwein, Hund und Ratte symbolisiert werden, um ein ausbeuterisches kapitalistisches System und militärische Gewalt zu kritisieren. Unsere Arbeiten enthalten keine Inhalte, die darauf abzielen, Bevölkerungsgruppen auf negative Weise darzustellen. Die Figuren, Zeichen, Karikaturen und andere visuellen Vokabeln in den Werken sind kulturspezifisch auf unsere eigenen Erfahrungen bezogen“, sagte das Kollektiv.