Victor Tuchman liegt im Sterben. Aber Trauer will nicht aufkommen. Der skrupellose Geschäftsmann hat ein Leben lang seine Mitmenschen terrorisiert – und die rechnen jetzt mit ihm ab. US-Autorin Jami Attenberg erzählt die Geschichte einer amerikanischen Familie und liefert ganz nebenbei ein Porträt der modernen Gesellschaft ihres Landes, in der die alten, noch immer patriarchalen Machtstrukturen auf die #MeToo-Debatte prallen. In einem Land, in dem sich viele eine zweite Amtszeit von Donald Trump wünschen, ist das höchst aktuell. Irgendwie ist dieser Tuchmann ja auch ein kleiner Trump. Ganz nebenbei offenbaren Attenbergs furiose Wechsel der Erzählperspektive auch, wie Außenwahrnehmung und Selbsteinschätzung von Menschen auseinanderklaffen. Kluge Literatur muss nicht immer schwere Kost sein. mik