Es hatte sich einiges angestaut beim Publikum. Das war offensichtlich, als sich der Applaus nach Tschaikowskys Violinkonzert im Herkulessaal endlich entladen durfte. Kaum eine Zehntelsekunde schien da zwischen dem letzten Akkord und dem ersten begeisterten Bravo vergangen.
Und es war die einzige angemessene Reaktion auf die Darbietung von Janine Jansen, die sich den oft gespielten Klassiker hier voll und ganz zu eigen machte. Eine Lesart, die aus dem Moment heraus zu entstehen schien, dabei aber natürlich trotzdem so effektvoll wie durchdacht gesteigert wurde: mit der ihr eigenen Autorität, aber gleichzeitig mit einem wunderbar tragfähigen Piano – und meisterlich demonstriert in der technisch brillanten Kadenz. Wobei die sanfte, ohne jede Larmoyanz vorgetragene Canzonetta einen beinahe noch stärkeren Eindruck hinterließ.
Wunderbar war gerade hier das gegenseitige Geben und Nehmen mit Dirigentin Joana Mallwitz. Sie motivierte das BR-Symphonieorchester trotz sattem romantischem Tonfall immer wieder zum kammermusikalisch sensiblen Austausch mit der Solistin, der sie in vielen Passagen die Führung gönnte.
Dies ließ erahnen, wie Mallwitz sich nach der Pause Beethovens Siebter nähern würde, die bei allem Nachdruck meist ebenfalls ein fein aufgefächertes Klangideal verfolgte. Schön zu beobachten im sich behutsam herantastenden Trauermarsch, der zwar kurz ein wenig ins Wabern geriet, dann aber sofort die versierte Handwerkerin am Pult zeigte, die alle Kräfte schnell wieder zu bündeln und auf Linie zu bringen verstand. Dies schien extra Mut zu geben für den wild vorwärtsdrängenden dritten Satz und das ähnlich kompromisslose Finale, nach dem auch Mallwitz vom Publikum mit lang anhaltenden Ovationen gefeiert wurde.