Musik ist Trumpf

von Redaktion

Clemens Schuldts Abschied vom Münchener Kammerorchester

VON MAXIMILIAN MAIER

Am Schluss gibt es stehende Ovationen für Clemens Schuldt nach seinem letzten Abokonzert als Chefdirigent des Münchener Kammerorchesters (MKO). Nach sechs Jahren ist, wie berichtet, Schluss für den gebürtigen Bremer. Der Orchestervorstand hält eine kurze Ansprache, ansonsten steht ganz uneitel an diesem Abend im Prinzregententheater die Musik im Mittelpunkt.

Wie beim Cellokonzert von Robert Schumann. Eine kurze Umgewöhnungsphase für die Ohren ist nötig, denn sonst kennt man das Werk in klangsüffiger großer Besetzung. Aber die Herangehensweise des MKO passt ideal zum Solisten Kian Soltani und seinem sanglichen, geschmackvollen Kammerton. Beispielhaft ist der zweite Satz, der gerne gefühlt zu einem Konzert für zwei Solo-Celli wird. Hier ganz anders: Da gibt es kein präpotentes Gehabe. Mikayel Hakhnazaryan kommentiert, stützt, unterstreicht Soltani aus dem Orchester heraus wie ein Alter Ego. Auch im Schlusssatz, den Soltani trotz ungemein geläufiger Finger nicht zu gehetzt nimmt, überzeugen die delikaten Momente. Alles wirkt intim und zugleich aufregend, wie das nach gewaltigem Jubel zugegebene ukrainische Volkslied „Schöne Minka, ich muss scheiden“.

Ein Volkslied, allerdings aus der Slowakei, inspirierte auch den deutsch-italienischen Komponisten Fabio Nieder zu seinem 2020 uraufgeführten Werk „Vielleicht weiß es die Nachtigall“. Stark sind die Szenen, an denen die urtümliche Kraft des Liedes durchkommt, wenn Sarah Maria Sun ihren Sopran etwas aufraut und gerade, brustige Töne singt. Die länglichen, düsteren Clusterteppiche zwischendurch ermüden aber und laufen Gefahr, zum belanglosen Klang-Gewaber zu werden.

Ganz anders die pointiert gespielte vierte Symphonie von Beethoven. Wendig, dynamisch und ungemein flexibel zeigt sich da das MKO unter Schuldt. Auch weil die Bläser Raum zur Entfaltung haben, tut die Kammerbesetzung dem Stück richtig gut!

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