„Es war ein Fehler von mir“

von Redaktion

Christian Stückl nimmt Stellung zur unzulässigen Besetzung einer Nebenrolle bei der Passion

VON MANUELA SCHAUER

Tradition oder Ausgrenzung? Das ist hier die Frage. Christian Stückl hält zwar große Stücke auf Traditionen, aber wenig von manchen Regeln für das Oberammergauer Passionsspiel. Weil sie für ihn nichts mit Tradition zu tun haben, sondern mit Ausgrenzung. Denn nicht jeder darf bei der Inszenierung mitmachen: Zugezogene müssen mindestens 20 Jahre im Ort wohnen. 1960 wurde diese Klausel eingeführt, um die Flüchtlinge aus den Ostgebieten auszuklammern. Wie berichtet, hat sich Stückl jetzt darüber hinweggesetzt und eine Nebenrolle an eine nicht spielberechtigte Person vergeben. Eigenmächtig.

Dazu hat er sich am Montagabend bei einem kurzfristigen Treffen mit dem Gemeinderat erklärt. Der Spielleiter der Oberammergauer Passion räumte gegenüber den Ratsmitgliedern ein, dass er hätte fragen sollen, bevor er eine Nebenrolle mit einer nicht-spielberechtigten Person besetzt. „Es war ein Fehler von mir“, betonte Stückl auch auf Anfrage unserer Zeitung. Und beteuerte gleichzeitig, dass er keine böse Absicht verfolgt und die Vorgabe nicht, wie von manchem unterstellt, vorsätzlich gebrochen habe. Im Gegenteil – in 30 Jahren habe er noch nie jemanden „hintenrum“ auf irgendeinen Passions-Posten gehievt.

Die Besetzung sei schlichtweg aus der Not heraus so gelaufen. Der Regisseur darf Menschen ohne Spielberechtigung „backstage“ einsetzen. So hatte er es seiner Aussage zufolge auch mit dem Betroffenen geplant. Bis ihm kurz vor der Premiere 28 Mitwirkende in der entsprechenden Nebenrolle abgesprungen seien. Stückl fackelte nicht lange – ohne sich die Tragweite ins Bewusstsein zu rufen. Schließlich habe er dadurch ja keinen Spielberechtigten übervorteilt.

Damit so etwas in Zukunft trotzdem nicht wieder passiert, wollen die Macher eine Lösung finden. Man sei auf dem Weg dahin, sagte Jesus-Darsteller und Pressesprecher Frederik Mayet unserer Zeitung. Eine Sonderregelung im bestehenden Regelwerk solle entwickelt werden.

Und was passiert mit dem nicht spielberechtigten Darsteller? Er muss seine Rolle aufgeben. Stückl sieht’s nicht gern. „Ich finde das schade und bedauernswert“, sagte der 60-Jährige. Aber vielleicht könne man für ihn hinter der Bühne, in den erlaubten Bereichen, noch eine Aufgabe finden.

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