IN KÜRZE

Ian Anderson feiert heute 75. Geburtstag documenta-Künstler rechtfertigen sich

von Redaktion

Im Jahr 1969 erlebte Ian Anderson ein Konzert, das ihn nachhaltig prägte – im negativen Sinne. In Las Vegas sah der Jethro-Tull-Sänger sein Jugendidol Elvis Presley und war schockiert von dessen Verfassung. Für Anderson, der heute 75 Jahre alt wird, stand fest: Er will es anders machen. Vielleicht auch deshalb erfreut sich der Sänger und Flötist immer noch guter Gesundheit (Foto: Kiko Huesca/dpa). Noch bis Ende des Jahres ist er mit seiner Band auf Tour. Geboren am 10. August 1947 im schottischen Dunfermline, aufgewachsen in Edinburgh, war er als Zwölfjähriger mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern in die Küstenstadt gezogen. In der Schule gründete er mit späteren Jethro-Tull-Musikern seine erste Band. Von Blackpool zog es die Band in die Musikmetropole London, wo Anderson zunächst nebenbei als Putzkraft arbeitete. Lange musste er den Job nicht ausüben, mit dem zweiten Album gelangen Jethro Tull 1969 der Durchbruch. „Stand up“ erreichte in Großbritannien Platz eins der Hitparade und schaffte es in den USA in die Top 20. Als alleiniger Komponist, Sänger und Flötist bestimmte Anderson den Stil von Jethro Tull. Anfang der Siebzigerjahre lieferte er quasi am Fließband Songs, die heute als Klassiker gelten – „Sweet Dream“, „Locomotive Breath“ oder „Thick as a Brick“. Seit den Achtzigern veröffentlichte Anderson zudem mehrere Solo-Alben. Nach der Band-Auflösung überlegte es sich der Frontmann jedoch anders: Seit 2017 ist er in veränderter Besetzung wieder mit Jethro Tull aktiv. PHILIP DETHLEFS

Den als antisemitisch kritisierten Darstellungen in einer auf der documenta fifteen ausgestellten Broschüre liegt ab sofort eine Einordnung des ausstellenden Kollektivs bei. Das teilte die documenta mit. Darin weist das Kollektiv „Archives des luttes des femmes en Algérie“ („Archive der Frauenkämpfe in Algerien“) die Vorwürfe entschieden zurück. „Wir bedauern, dass diese Bilder auf Unverständnis stoßen und Gegenstand von Fehlinterpretationen seitens der Medien und Besucher:innen geworden sind, die in ihnen antisemitische Darstellungen zu erkennen meinen“, schreibt das Kollektiv. Die Bilder zielten nicht auf Juden oder Jüdinnen als Einzelpersonen oder als Gemeinschaft ab, sondern sie kritisierten die israelische Armee. Die in der Broschüre „Presence des Femmes“ enthaltenen Zeichnungen zeigen unter anderem Soldaten mit Davidstern am Helm als Roboter mit entblößten Zähnen. Sie lösten nach den bereits seit Monaten kursierenden Antisemitismus-Vorwürfen gegen die documenta und dem Abbau eines Banners mit antisemitischer Bildsprache eine weitere Welle der Kritik an der Ausstellung aus.

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