Es wird ja viel gemeckert zurzeit. Ach, was heißt zurzeit. Meckerer gab’s und gibt’s immer. Die ständig lautstark kommentieren, was „die Politik“, „die Deutsche Bahn“, „die anderen Autofahrer“ anders machen sollten. Und dann gibt es Menschen wie Katharina von Perfall und Dorothee Wahl. Die nicht meckern, sondern die Dinge angehen. Aus einem der schönsten Motive heraus, die man sich vorstellen kann: der Liebe zur Kunst.
Liebe und Kunst – Wohltat! Seit 20 Jahren gibt es beides in der Pinakothek der Moderne, die heuer bekanntlich Geburtstag feiert. Und mit ihr der Förderverein PIN.Freunde der Pinakothek der Moderne, deren Vorsitzende von Perfall und Wahl sind. Als das Haus an der Barer Straße 40 im Jahr 2002 eröffnet wurde, da wurde aus dem bereits bestehenden Galerie-Verein PIN.Freunde. Dessen Ziel: die vier Institutionen (Sammlung Moderne Kunst, Staatliche Graphische Sammlung, Architekturmuseum der TU und The Design Museum), die fortan unter einem Dach ein Zuhause fanden, zu fördern. Klingt schrecklich schnöde, nach Buchhaltung und Spendenquittung. Ist aber: seit zwei Jahrzehnten ein unermüdlich laufender Motor für die Kunst, angetrieben von einem Treibstoff, der niemals knapp wird – Herzblut.
„Unser Ziel ist, dass das Potenzial dieses Hauses wirklich genutzt wird. Dass nicht ausschließlich Liebhaber kommen und still genießen. Ein Besuch in der Pinakothek der Moderne soll jedem Spaß machen, nicht nur denen, die schon alles wissen“, betont von Perfall. Deshalb fördern sie insbesondere Vermittlungsprogramme. „Kinder können Kunst…“ etwa, bei dem Fünf- bis Zwölfjährige jeden Sonntag auf ein neues Abenteuer mitgenommen werden. Hübscher Nebeneffekt: Während sich die Kleinen in der Pinakothek der Moderne kreativ austoben, können die Eltern das Haus einmal in Ruhe und in ihrem eigenen Rhythmus genießen. Ein kostenloses Småland der Kunst gewissermaßen.
Das kennen und schätzen viele Familien. Wessen Kinder aber aus dem Grundschulalter längst heraus sind, denen fällt beim Namen PIN.Freunde natürlich etwas anderes als Erstes ein: die legendären Partys, die der Verein Jahr für Jahr in der Rotunde des Museums veranstaltet. Das Motto bei der ersten Sause 2003 gilt im Grunde bis heute: „Let’s party for Art“. Denn hier wird ganz im Sinne des Fördergedankens nicht nur getanzt, geplaudert und gebechert. Sondern nebenbei bei einer Auktion Kunst und anderes versteigert. Am 16. September ist es wieder so weit (siehe Kasten) – der gesamte Erlös geht in den nächsten großen Ankauf, die nächste große Ausstellung.
In diesen Partys liegt ein Teil des Erfolgsgeheimnisses des Vereins. Der hat mehr als 900 Mitglieder. Das ist eine ganze Menge, doch deren Vereinsbeiträge allein würden nicht reichen für die zahlreichen Ausstellungen und Erwerbungen, die Jahr für Jahr gefördert werden. Deshalb setzt der Vorstand mit seinen engagierten Kräften und begnadeten Netzwerkerinnen wie von Perfall und Wahl auf zahlreiche Events, die potenzielle Sponsoren anlocken. Zu Zeiten des Galerie-Vereins waren es noch vier Veranstaltungen pro Jahr, heute sind es ebenso viele – pro Monat. Dazu regelmäßig Reisen mit exklusiven Besuchen in Künstlerateliers, Galerien. „All das wird von unseren Sponsoren sehr gut angenommen. Wir bieten ihnen also nicht nur die Möglichkeit, durch Spenden an den Verein ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen, sondern andersherum auch die Chance, bei hochkarätigen Events ihren Kunden oder Geschäftspartnern etwas zu bieten“, erklärt Wahl. Ja, viele nehmen sie wahr, diese soziale Verantwortung. Aber eben nicht alle.
Und weil sich Geburtstagskinder etwas wünschen dürfen, besonders solche tüchtigen wie die PIN.Freunde, haben auch Wahl und von Perfall einen Wunsch. „Es gibt immer noch viele Unternehmen, die in München sehr viel Geld verdienen, total vom Standort profitieren, aber nichts fördern“, kritisiert Dorothee Wahl. „Microsoft, Apple, Google beispielsweise sind nirgendwo involviert. Das ist etwas, was meiner Ansicht nach nicht geht. Wer in München alle Standortvorteile für seine internationalen Mitarbeiter bieten kann, der muss auch was zurückgeben.“ So wie es die vielen Förderer tun, die ihnen seit Jahren treu sind. „Wer wie beispielsweise die Allianz und BMW einmal dabei ist, der bleibt dabei“ – auch ein Zeichen dafür, dass sie einiges richtig zu machen scheinen bei ihrer Arbeit.
Deshalb folgt gleich ein zweiter Wunsch, diesmal in Richtung Politik. Besser: eine Frage. Eine, die man immer wieder hört, wenn man sich mit Vertretern von Kunstinstitutionen in München unterhält: Warum macht die Stadt eigentlich so wenig aus dem großen Schatz, der da auf dem Kunstareal liegt? Man muss sich das mal vorstellen: 18 Museen und Ausstellungsräume, 40 Galerien und Kulturinstitutionen, mitten in der Stadt. Das Kunstareal ist einer der wichtigsten Kulturstandorte der Welt. Geworben wird international dann aber doch wieder nur für Wiesn und FC Bayern. Dabei müsste das Stadtmarketing tun, was der langjährige PIN.Freunde-Vorstand Herzog Franz von Bayern stets bei der Arbeit im Blick hatte. „Er hat sich in den Anfangsjahren immer gefragt, wie es gelingt, gute, internationale Kunst in dieses anfangs sehr deutsch, lokal, provinziell orientierte München zu bringen. ,Lasst uns die Fenster aufreißen für die Welt‘, das war sein Motto“, erzählt Katharina von Perfall. Es ist geglückt. Mit frischem Wind in die Moderne.