Natürlich sagt er an diesem Abend auch etwas zum Tod der Queen. „Weil ja jeder etwas dazu sagen muss“, meint Ed Sheeran am Samstag im Münchner Olympiastadion vielsagend und schmunzelnd. Anders als manch Wichtigtuer hat er, optisch ein Klischee von einem Briten, tatsächlich eine rührende Geschichte zu Elizabeth II. zu erzählen. Sheeran war elf, als diese ihr goldenes Thronjubiläum feierte. Der kleine Ed saß vor dem Fernseher, hörte, wie Eric Clapton auf der Feier „Layla“ spielte – und war hin und weg. „In dem Moment hat es Klick gemacht: Ich wollte unbedingt Gitarre lernen“, erinnert er sich heute. Zehn Jahre später? War er selbst in der Rolle seines Idols Clapton wie dieser zehn Jahre zuvor: Sheeran spielte 2012 beim diamantenen Thronjubiläum. Und weitere zehn Jahre später beim Platinum-Fest. Wie wir heute wissen, sollte es Queen Elizabeth II. letztes sein.
Vielleicht liegt es an diesem königlichen Begleitschutz, dass alles, was Sheeran in den vergangenen zehn Jahren musikalisch angefasst hat, zu Gold wurde. Am Samstagabend in München bekommen die 75 000 Fans die Erfolgsgeschichte vor Augen und Ohren geführt: Zwei Stunden lang, Hit um Hit um Hit, spielt der britische Megastar. Millionen-Seller wie „Afterglow“ oder „Bad Habits“ als Rausschmeißer zum Schluss zu bringen – so ein Repertoire musst du erst mal im Gepäck haben.
Es ist der Auftakt zu einem Triple: Gleich drei Abende – Samstag, Sonntag und heute Abend – nacheinander ist Sheeran im Olympiapark zu Gast. Stand Samstag: mehr als 200 000 verkaufte Tickets. Aber die werden eben anders als zuletzt auf der Messe nicht an einem Abend abgefrühstückt. Denn schon im Stadion mit „nur 75 000“ ist so eine Ein-Mann-Show eine Herausforderung. Wie gewohnt, zaubert Sheeran bei den meisten Songs allein mit Stimme und Saiten und zeichnet parallel mit den Füßen per Loop Maschine Tonspuren auf, die dann in Endlosschleife auf seinen Befehl hin durch die Arena dröhnen. Zu sehen ist der 1,73-Meter-Ed für die Gäste auf den Rängen wohl nur über die Leinwände in Form von übergroßen Gitarren-Plektren. Der Funke springt trotzdem über. Weil in jeder Runde, die er über die kreisförmige Bühne in der Stadionmitte tanzt, und bei jedem Ton, den er auf den wechselnden Gitarren spielt, vor allem aber in seinem spitzbübischen Lächeln, das beim Anstimmen jedes neuen Liedes aufblitzt, deutlich wird: Es ist nicht nur Behauptung, wenn er den Münchnern zuruft, dass die Musik sein Leben ist. Da ist einer total in seinem Element.
In schwarzem Shirt mit buntem Munich-Aufdruck macht er in diesen 120 Minuten alle ein bisschen happier. Mit Liedern von „Sing“ (2014) über „Castle on the Hill“ (2017) bis „Shivers“ (2021). Auch dann noch, als der Regen einsetzt. „Wir haben keine andere Wahl, als jetzt einfach weiter eine gute Zeit zu haben“, animiert der durchnässte Rotschopf all jene, die nicht das Glück haben, auf der bedachten Seite des Stadions platziert zu sein. Pflichtschuldig hat keiner einen Schirm dabei, also kramen sie ihre Capes heraus und tanzen sich warm. Nach dem Motto: Wenn man die Augen schließt, klingt der Regen wie Applaus.
Es wird ja oft erzählt, wie sympathisch und wenig divenhaft der erst 31-jährige Ed Sheeran trotz seines gigantischen Erfolgs geblieben ist. In Bindfäden-Regen-Momenten wie diesen beweist er es. Als die Technik wegen der Nässe zickt, kommentiert Sheeran das schulterzuckend: „Das ist eben live.“ Legt kurzerhand seine Gitarre zur Seite – und legt a cappella los. Da fühlt es sich plötzlich an wie ein intimes Pub-Konzert zu seinen Anfangszeiten, damals vor fünf, sechs Leuten. „And now: 75 000 in Münscheen!“ Wunderscheen.
Weiteres Konzert
heute Abend im Münchner Olympiastadion; mögliche Restkarten an der Abendkasse und unter www.eventim.de.