Rupert Keim ist jetzt schon gespannt, wie die Künstlerin Julie de Kezel im kommenden Jahr seine Geschäftsräume bespielen wird. Es ist Samstagvormittag. Die junge Frau, die 1995 in Belgien geboren wurde, hat gerade den Karl & Faber Preis der Stiftung Kunstakademie München gewonnen. Das heißt: 2000 Euro Preisgeld und eine Einzelausstellung in den Räumen des Münchner Kunstauktionshauses inklusive Katalog-Förderung von 3000 Euro. Nun ist es so, dass die Arbeit, mit der Julie de Kezel die Jury von sich überzeugt hatte, keine sehr raumgreifende ist. Man also wie Karl-&-Faber-Geschäftsführer Keim gern neugierig Mäuschen spielen würde, wie die Siegerin die hohen weißen Zimmer samt Galerie demnächst mit ihrer ersten Einzelschau einrichten wird.
„Nicht auf die Größe kommt es an“, kommentiert denn auch trocken Stiftungs-Vorstand Gernot von Pape bei der Verkündung der Preisträgerin. In der Tat: Die zehn Finger, die de Kezel moduliert und dann im 3-D-Drucker gefertigt hat, sind zwar je nur zehn mal zwei Zentimeter groß – doch lenken sie die Aufmerksamkeit der Besucher gleich auf sich. Wie sie da aus der Wand zu wachsen scheinen. Mit langen, grünen Nägeln. Wer genauer hinsieht, erkennt: Jede Fingerspitze ist anders gestaltet, aus jeder Kuppe sprießt ein individueller Mikrokosmos. Naturlandschaften in Miniatur. Damit ist der Akademiestudentin aus der Klasse von Peter Kogler eine gewitzte Auseinandersetzung mit einem der ältesten Themen der Kunstgeschichte gelungen: Kritisch hinterfragt sie mit den blutroten Fingerchen das Verhältnis von Mensch und Natur; und führt mit der Anspielung auf den Nagellack vor Augen, wie die Kosmetikindustrie mit all den toxischen Mittelchen die Umwelt zerstört.
Neben de Kezels Arbeit sind Werke von rund 30 weiteren Akademie-Studierenden, die ebenfalls für den Preis nominiert waren, bis 17. September bei Karl & Faber ausgestellt. Und auch in der Villa Stuck gibt es seit dem Wochenende junge künstlerische Positionen zu entdecken. In der „Debütant*innenausstellung“ präsentiert die Akademie wie berichtet jedes Jahr ihre ausgezeichneten Absolventinnen und Absolventen aus dem Staatsexamen und dem Diplom. Sie alle kann man nun im Museum erleben. Und sehen, wie vielfältig die Themen und Herangehensweisen der jungen Künstlerinnen und Künstler sind. „Vielleicht werden wir sie eines Tages bei uns zu Rekordpreisen handeln“, meint Rupert Keim. Der Anfang ist gemacht.
Öffnungszeiten
Bei Karl & Faber sind die Werke bis 17. September täglich von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr zu sehen. In der Villa Stuck bis 18. September dienstags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr.