Ganz so hat sich Greta Thunberg das vielleicht doch nicht vorgestellt, als sie 2019 der Weltöffentlichkeit die markigen Worte entgegenschleuderte: „I want you to panic“. Mit Corona und Ukraine-Krieg scheint der akute Panikmangel jedenfalls restlos behoben. Dabei sei dahingestellt, ob in derart bedrohlichen Zeiten ein sogenannter Panic Room wirklich helfen würde, also ein gepanzerter Schutzraum innerhalb eines Gebäudes, in den man bei Gefahr durch Eindringlinge flüchten kann.
Aber vielleicht hatte das international renommierte Münchner Künstlerduo M+M ja so eine Sicherheitszelle gar nicht im Sinn, als es seine Ausstellung in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste „Panic Room München“ betitelte. Denn als Schutzort taugen die schönen klassizistischen Akademiesäle in der Residenz allenfalls metaphorisch: als Fluchtburg des Geistes quasi, wo man, mit Blick auf die Dächer der Stadt, buchstäblich erhaben ist über die Sorgen und Zumutungen der schnöden Alltäglichkeit.
Die Doppeldeutigkeit des Wortes Panikraum macht es – unter Wahrung seines klaustrophobischen Beigeschmacks – allerdings auch möglich, darunter nicht einen Fluchtort zu verstehen, sondern gerade umgekehrt einen Raum, in dem Panik herrscht. Auf diese Lesart deutet die titelgebende Installation der Ausstellung hin: In „Panic Room“ sind Boden und Wände mit hunderten von Bildern und Texten tapeziert, die alle aus der gigantischen Nachrichtenflut rund um den weit gefassten Themenkomplex Ukraine-Krieg stammen. Die Fülle disparater Mitteilungssplitter, die da auf den Betrachter niederprasseln, spiegelt die Überforderung durch den Informations-Overkill, dem wir alle ständig ausgesetzt sind – nicht nur in Sachen Ukraine.
Die Inflation der Meldungen macht deren Inhalte beliebig, ja buchstäblich zum Tapetenmuster, dessen ornamentales Hintergrundrauschen bloß noch Oberflächen-Realität simuliert und damit die Wirklichkeit eigentlich zum Verschwinden bringt.
So dezent wie hinterlistig kommt hingegen die Fotoserie „Virendicht“ daher, deren zarte Pastelltöne im Widerspruch stehen zu ihrem Inhalt. Zeigen sie doch in Nahaufnahme den Stoff, aus dem höchstens die Träume der Hypochonder sind: das Material von Masken oder Gummihandschuhen, dem Panic Room, den jeder unmittelbar am Leib trägt. Höhepunkt der Schau ist dann „Olympic Vertigo“, ein Virtual-Reality-Trip, bei dem der Besucher eine VR-Brille (samt Kopfhörer) bekommt – die ihn mitten ins Münchner Olympiagelände versetzt.
Irgendwas stimmt hier aber nicht, das bräunliche Zwielicht wirkt gespenstisch, die bekannten Gebäude sehen marode aus, man scheint der letzte Überlebende in einer Welt ohne Menschen zu sein, und schon staksen auch riesige Heuschrecken, genauer: Gottesanbeterinnen daher. Weil sie mit einschlägigen Endzeit-Motiven spielt, wirkt diese Szenerie komisch, kitschig und bedrohlich zugleich. Aber keine Panik: Die spektakuläre Überraschung, mit der alles endet, wird hier nicht verraten…
Bis 14. Oktober,
Max-Joseph-Platz 3, Mo. bis Fr. 11 bis 16 Uhr, Eintritt frei.