Felix Kummer streckt die Arme in die Luft und formt mit beiden Händen ein Herz. Im Halbdunkel des ausverkauften Zenith tauchen tausende Herzen zur Antwort auf. Die letzten Töne von „Der Rest meines Lebens“ verklingen, doch er zögert den Moment hinaus, solange er kann. „Ich werd’ mit jedem Abend ein wenig emotionaler“, stellt der 33-Jährige fest. Das Konzert in München – sein bislang größter Solo-Auftritt, wie er sagt – ist das fünftletzte der „Bye Bye Kummer“-Tour, die das Ende des gleichnamigen Projekts sein wird. Als er am Sonntagabend allein die minimalistische Bühne betritt, erklärt Felix Kummer den rund 5000 Besuchern erst einmal die Spielregeln. Genauer gesagt: die Regeln für den Moshpit. Denn bei den Konzerten des Rappers aus Chemnitz, der zugleich Sänger der Band Kraftklub ist, geht es vor der Bühne heftig zur Sache. „Achtet aufeinander“, sagt er. „Im Moshpit sollen sich auch die Mädels wohlfühlen. Also kommt ja nicht auf die Idee, zu grapschen!“
Und dann legt er los. Wie ein Gummiball springt Kummer über die Bühne, und es ist bemerkenswert, dass ihm bei dem Tempo nicht die Luft ausgeht. Er rappt von Wut, Frust und Trauer und sagt von sich selbst, dass er keine gut gelaunten Lieder schreiben könne. Und ist, wenn er mit dem Publikum interagiert, maximal charmant und höflich. Dafür lieben ihn die Fans: Kummer beschönigt nichts, er romantisiert nicht und spricht damit einer ganzen Generation aus der Seele.
Wenn die nicht im riesigen Moshpit vor der Bühne von der einen Seite zur anderen getragen wird, rappt sie lautstark mit. Zu „Nicht die Musik“ oder dem Hit „Der letzte Song (Alles wird gut)“, den er in zwei Versionen spielt. Aber auch zu den Kraftklub-Songs, die er mit Grüßen an die Band anstimmt, wie „500 K“ oder „Randale“. Und so ruft Kummer anerkennend: „Leute, das war echt wild für einen Sonntagabend!“
Das Ende des Solo-Projekts Kummer mag gekommen sein, für den Moment mag es heißen „Bye Bye Kummer“. Doch so ganz geht er ja nicht: Kraftklub stehen mit neuer Musik in den Startlöchern. Die Herzen des Publikums in München hat Felix Kummer eh längst gewonnen.
Kraftklub
spielen am 18. November im Münchner Zenith; Karten unter krasserstoff.com.