Mit Blick zurück in die Zukunft

von Redaktion

Lukas Sternath gewinnt beim ARD-Musikwettbewerb

VON ANNA SCHÜRMER

Am Sonntag ist der 71. ARD-Musikwettbewerb zu Ende gegangen. Ein stolzes Alter, in dem ein Rekord an Bewerbungen verzeichnet wurde: In der abschließenden Kategorie Klavier wurde der Sieger aus 330 Pianistinnen und Pianisten ermittelt. Das klingt nach einem vollen Erfolg – und als Argument für den zuletzt arg gebeutelten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dass dieser Eindruck dennoch ein Stück weit täuscht, liegt weniger an der Nennung der jüngst geschassten RBB-Intendantin Patricia Schlesinger als Patronatin und schon gar nicht an den herausragenden Nachwuchsmusikern, die auf unglaublich hohem Niveau die Zukunft der klassischen Musik repräsentieren.

Dies liegt vielmehr an einem unbeweglichen System, das durch die orthodoxe Repräsentation des immer gleichen Kanons eben dies verhindert: dass die klassische Musik attraktiv für die Zukunft gemacht wird. Noch einmal: Am allerwenigsten liegt das an den drei jungen Pianisten, die zur Begleitung des BR-Symphonieorchesters unter Joshua Weilerstein um den Sieg spielten. Junhyung Kim (Südkorea), Johannes Obermeier (Deutschland) und Lukas Sternath (Österreich) verfügen nicht nur über außergewöhnliche Virtuosität und ästhetisches Feingefühl. Aber warum nur standen den um die Jahrtausendwende geborenen Pianisten in der Finalrunde eines internationalen Wettbewerbs ausschließlich eurozentrische Werke längst vergangener Epochen zur Wahl?

Kim wählte Ludwig van Beethovens viertes Klavierkonzert, betonte mit seinem perlenden Anschlag die sanfte Seite des furiosen Klassikers und erspielte sich damit den zweiten Preis. Obermeier und Sternath wählten jeweils Sergej Rachmaninows viertes Klavierkonzert. Sachlich und intellektuell ging der Deutsche zu Werke (er kam auf Platz drei), frisch und mit einem gewissen Schmäh der Österreicher – der nicht nur mit dem ersten Preis der Jury, sondern auch mit dem Publikumspreis geehrt wurde. Der gerechte Lohn für einen jungen Musiker mit zeitgenössischem, vielleicht sogar zukunftsweisendem Taktgefühl.

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