Falscher Hase

von Redaktion

Lewis Trondheim und seine moderne bis schockierende „Asterix“-Version

VON JÖRG HEINRICH

Was ist da los im gallischen Dorf? Ist Asterix und Obelix nun doch der Himmel auf den Kopf gefallen? Hat sich Miraculix gehörig verzaubert? Und was machen die Hasenohren unter dem Helm von Asterix? Zumindest letztere Frage lässt sich einfach beantworten: In diesem Album, das auf den ersten Blick aussieht wie ein neuer „Asterix“-Band, das aber keiner ist, landet Lapinot, Frankreichs bekanntester Comic-Hase, mitten im antiken Gallien.

Autor Lewis Trondheim konfrontiert in „Die neuen Abenteuer von Herrn Hase 6: Beim Teutates!“ ebenso amüsant wie schockierend die moderne Welt mit den Comic-Helden. Herr Hase, den Trondheim früher bereits in den Wilden Westen verfrachtet hat oder in einen Mystery-Thriller im Paris des 18. Jahrhunderts, steckt durch ein technisches Versehen plötzlich im Körper von Asterix. Der „Hasterix“ entsetzt sich über die kartoffelnasigen Gallier, die plötzlich gar nicht mehr so lustig und pittoresk wirken wie bei René Goscinny und Albert Uderzo.

Denn der Besucher aus dem Jahr 2022 muss erleben, wie brutal die Gemetzel tatsächlich sind. Da reißt Obelix den Römern Köpfe und Arme ab, überall fließt Blut. Der Langohr-Asterix fleht: „Obelix, macht dir das denn nichts aus, Leute umzubringen?“ Auch wenn die Figuren im Stil der Hasen-Comics bewusst weit entfernt sind von den gewohnten Galliern, erlebt Herr Hase doch ein klassisches „Asterix“-Abenteuer mit Anklängen an den „Seher“ von 1972. Diesmal sucht Gott Teutates das Dorf heim. Er will Miraculix das Geheimnis des Zaubertranks abluchsen. Doch mithilfe von Lapinots Katzen-Kumpel Richard, den es in den Körper von Schiefsänger Troubadix verschlagen hat, muss das Bankett auf Seite 46 nicht ausfallen.

Zum ersten Mal überhaupt haben die pingeligen Erben von Goscinny und Uderzo die Genehmigung für solch eine große Hommage erteilt. Lewis Trondheim bedankt sich dafür als brillanter „Asterix“-Beobachter, der einen ganz neuen Blick aufs Comic-Gallien erlaubt. Sein Neuzeit-„Asterix“ ist unterhaltsam, klug und mutig. Texter Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad, seit 2013 die echten neuen Asterix-Papas, ist dieser Mut nur in sehr engen Grenzen erlaubt. Sie müssen ihre – trotzdem hervorragenden – Geschichten so erzählen, wie die Gallien-Fans sie lieben.

Für den umtriebigen und immer neugierigen Lewis Trondheim wäre das nichts. Er widmet sein Vorwort denn auch den beiden Kollegen: „Allen, die die Abenteuer von Asterix weiterführen, ob jetzt oder zukünftig, gilt meine Sympathie und mein Mitgefühl.“ PS: Dank Trondheims „Hasterix“ wissen wir jetzt endlich, wie der Zaubertrank schmeckt. Es scheint sich um eine wahrlich ekelhafte Plörre zu handeln: „Fanta, Jahrgang 1975, und 90-prozentiger Alkohol?

ÄÄÄRRHHRKK!!!“

Lewis Trondheim:

„Die neuen Abenteuer von Herrn Hase 6: Beim Teutates!“ Reprodukt, Berlin, 48 Seiten; 13 Euro.

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