Der Schriftsteller Andrej Kurkow erhält den Geschwister-Scholl-Preis 2022. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Bayern, und die Landeshauptstadt München verleihen ihm die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung für sein „Tagebuch einer Invasion“ (Haymon Verlag). Der Ukrainer wird am 28. November in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität geehrt.
Der Autor habe es sich zum Ziel gesetzt, „gegen das weitverbreitete Unwissen über Geschichte und Kultur der Ukraine, auf das er in den westlichen Gesellschaften stößt, anzukämpfen“, begründete die Jury ihr Votum Er wolle „über die komplizierte und leidvolle Vergangenheit und Gegenwart dieses multiethnischen und multikulturellen Landes“ aufklären. Darüber hinaus setze er sich als Präsident des ukrainischen PEN-Clubs ganz praktisch für in Not geratene Kolleginnen und Kollegen ein.
Kurkow wurde 1961 in St. Petersburg geboren. Seit seiner Kindheit lebte er in Kiew, der Stadt, aus der er nun durch den Krieg vertrieben wurde. Sein „Tagebuch einer Invasion“, so urteilte die Jury, sei ein Werk, „das zugleich als eindringliche Chronik wie als kritische Reflexion einer politischen und zivilisatorischen Katastrophe zu lesen ist“. Das Buch setzt Monate vor dem russischen Angriff ein und berichtet in persönlichen Aufzeichnungen sowie essayistischen Passagen von dem, was in der Ukraine geschieht.
Der Geschwister-Scholl-Preis wird seit 1980 vergeben. Dabei wird ein Buch ausgezeichnet, das „von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben“, wie es in den Statuten heißt. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern zählten, Götz Aly, Achille Mbembe, Joachim Gauck, Roberto Saviano, David Grossman und Anna Politkovskaja. mm