Tanz mit dem Tod

von Redaktion

Der Film „Halloween Ends“ ist mehr als eine Zitatensammlung und driftet weg vom Original

VON THOMAS WILLMANN

Der Auftakt zu David Gordon Greens „Halloween“-Fortsetzungstrilogie ließ 2018 den Vorspann-Grinsekürbis aus schimmeliger Matschpampe zu neuer Pracht entstehen. „Halloween Kills“, der insgesamt zwölfte Film der Reihe, fackelte elf Kürbisgesichter ab. Bei „Halloween Ends“ bringt nun, einer sich häutenden Schlange gleich, ein Kürbis den nächsten hervor. Soll sagen: Das Filmemachen in Serie ist ein Reigen ewiger Wieder- und Neugeburt. Der letzte Kürbis in der Reihe aber ist gesichtslos – eine halbwegs treffende Selbsterkenntnis.

Es hat noch niemand die Lösung gefunden, wie man die stählerne, hermetische Perfektion von John Carpenters Ur-„Halloween“ aus dem Jahre 1978 mit gleicher Kraft wiederholen und ihr etwas sinnvoll hinzufügen könnte. Denn – Achtung, Spoiler – es gibt dafür keine Lösung. „Halloween Ends“ scheint das immerhin zu begreifen und wählt Tür drei: Mach’ was Anderes, Eigenes!

Der Film beginnt mit der altbekannten Konstellation: Babysitter und Kleinkind an Halloween allein in einem großen Haus in Haddonfield. Er lässt die Erwartungen dann aber clever ins Leere laufen. „Ends“ greift zwar die beliebte Frage wieder auf: Ist Michael Myers eine Manifestation des metaphysisch Bösen? Oder eine Figur mit Historie und Psychologie, beschädigter Seele? Der Film trennt jedoch gleichsam Geist und Maschine und lagert das Psycho-Spiel in eine andere Figur aus.

In seinem Zentrum steht Corey (Rohan Campbell), der nach einer traumatischen Erfahrung auf die Bahn des Bösen gerät – gerade, als er mit der Enkelin von Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) anbandelt. Über weite Strecken ist „Halloween Ends“ ein Film über eine Großmutter, die ihre Enkelin zunächst verkuppeln möchte – und dann erschreckt darüber, wen sie sich da womöglich in die Familie holt.

Und der Witz: Diesen Film sieht man durchaus gerne. „Ends“ ist ein fokussierterer, eigenständigerer Film als seine beiden Vorgänger. Er ist endlich nicht mehr bloße, konfuse Zitaten- und Stoffsammlung. Der Preis dafür: Er ist auch kein „Halloween“-Film. Michael Myers, der sich’s in der Kanalisation häuslich eingerichtet hat, und Laurie Strode sind Randfiguren, die aufs Altenteil geschoben wurden.

Vom Namen her soll „Ends“ den finalen Abschied von Laurie feiern. Doch ihre innere Reise findet bloß am Schreibtisch statt, beim Verfassen ihrer Autobiografie. Erst im letzten Drittel erinnert sich „Ends“ daran, wozu er vertraglich verpflichtet ist. Überkompensiert mit Splatter-Morden en bloc. Und driftet zum x-ten Mal in den Pas de deux mit Messer zwischen Michael und Laurie. Ein Paar, ein Film, gefangen in den alten Schablonen, den alten Sticheleien. Jedes Mal ein bisserl heftiger, nie mit dem Gefühl wahrer Erlösung.

Die drei Green-Filme erweisen sich also in der Gesamtschau als Trilogie im bloß numerischen Sinn, ohne Bogen. Das Einzige, was mit „Halloween Ends“ wirklich endet, ist der Lizenzierungs-Deal der Horrorschmiede Blumhouse. Danach werden die Rechte wohl meistbietend weiterwandern. Denn immer, immer wieder steht der Michael auf.

„Halloween Ends“

mit Jamie Lee Curtis, , Andi Matichak, Rohan Campbell

Regie: David Gordon Green Laufzeit: 111 Minuten

Annehmbar (((;;

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