Serenade mit Eruptionen

von Redaktion

Enrico Onofri beim Münchener Kammerorchester

Zum „Aufbruch“, so auch das Saisonmotto, lockte das Münchener Kammerorchester (MKO) am Donnerstag ins Prinzregententheater, wo Enrico Onofri, Spezialist für historisch informiertes Musizieren, ans Pult trat. Er eröffnete nach dem Abschied von Chef Clemens Schuldt die Reihe mit drei unterschiedlichen Dirigenten, mit denen das MKO in den kommenden Jahren neue Wege geht.

Der italienische Dirigent und Geiger spannte den Bogen von Mozart bis zu Luciano Berio. Dessen 1964 für seine damalige Frau Cathy Berberian geschriebenen „Folk Songs“ standen im Mittelpunkt. Sie wurden von Marie-Claude Chappuis zwar nicht mit elf Stimmen (was Berio von Berberian bewundernd behauptete), aber doch mit viel Flexibilität und sensiblem Gespür für die jeweilige Charakteristik gestaltet.

Ob aus Amerika, Frankreich oder Italien – Berio gibt den Volksweisen mit zuweilen herausgehobenen Instrumenten seinen eigenen Ton, und Orchester und Sängerin verlebendigten ihn vorzüglich. Besonders eindrucksvoll gelangen das rhythmisch akzentuierte Liebeslied aus Aserbaidschan und das von einem tänzerischen Passus durchkreuzte Mond-Lied aus Armenien. Als Zugabe spen-dierte die Schweizerin eine Greyerzer Weise mit Franz Draxinger am Alphorn.

Mozarts Posthorn-Serenade krönte einen Abend, den die zugehörigen Märsche eröff-net hatten. Onofri und das Kammerorchester waren flott unterwegs, kosteten die Kontraste auf engem Raum gründlich aus und sorgten mit kleinen Eruptionen für ein richtiges Feuerwerk, dem Ute Hartwich mit dem Posthorn eine eigene Note entgegensetzte. Großer Beifall für alle. GABRIELE LUSTER

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