Der Countdown

von Redaktion

„Heilig Abend“-Premiere im Hoftheater

Ticktack, ticktack rattert die Uhr auf der Bühne des Münchner Hoftheaters unaufhörlich. So mancher Zuschauer wirft dabei schon vor Beginn der Premiere von „Heilig Abend“ um 20.30 Uhr einen verwirrten Blick auf die eigene Armbanduhr, zeigt die scheinbar normal funktionierende Uhr an der Wand doch bereits 23 Uhr.

Und genau zu jener vermeintlichen Uhrzeit startet schließlich das Verhör auf dem Polizeirevier. Philosophie-Professorin Judith (Judith Riehl) wurde von der Polizei aus dem Taxi gerissen und soll erklären, was sie am vergangenen Abend mit ihrem Ex-Mann geplant hat. Dementsprechend ahnungslos gibt sie sich bei der Frage, was Polizist Thomas (Christian Buse) von ihr wolle. Verhaftet sei sie nicht, stellt er klar. Obwohl er sie schon seit Langem verfolge, habe er keinerlei Beweise, um sie hier zu behalten.

Nach etwa einer halben Stunde in Echtzeit, wie auch die Bühnenuhr bestätigt, fällt von Thomas die entscheidende Frage: „Wo ist die Bombe?“ Sie und ihr Ex-Mann hätten sich doch Mitternacht an Heiligabend für ihren Anschlag herausgesucht. Dritte Rolle bleibt die Uhr an der Wand: Geht es um die Vergangenheit, so läuft sie auf einmal rückwärts; droht die Diskussion zu versiegen, holt sie die beiden durch lautes Ticken wieder in die Gegenwart zurück und verweist auf den Countdown.

Gab es bei der Premiere zwar noch den einen oder anderen Texthänger, so verstand es das Duo unter der Regie von Eos Schopohl dennoch glänzend, das Publikum mit seinem Katz-und-Maus-Spiel in seinen Bann zu ziehen. Nur mit Uhr, Zigaretten, Handy und zwei Stühlen bewaffnet, schütteln Riehl und Buse nach und nach einen unerwarteten Trumpf aus dem Ärmel und sorgen durch zurückhaltende, aber bezeichnende Gestik für Dynamik. Herzklopfen, bis zum letzten Glockenschlag. RAFFAEL SCHERER

Weitere Aufführungen

am 16., 28., 29. und 30. Dezember, je um 20.30 Uhr; Tickets unter hof.theater.

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