Für sie war es – zunächst – ein Buch unter vielen. Ein sehr schönes, natürlich. Eines, das mit Herz und Hirn geschrieben war wie all ihre Werke davor und danach. Dass „Der Bastian“ aber später einmal die Geschichte werden würde, die ganze Generationen mit ihrem Namen verbinden würden, war nicht abzusehen, als sie diese Anfang der Siebzigerjahre zu Papier brachte: Barbara Noack. Am Dienstag ist die Autorin in München gestorben, im stolzen Alter von 98 Jahren.
Der große Erfolg von „Der Bastian“ lag auch daran, dass die Erzählung über einen angehenden Lehrer, der nach dem Examen noch die letzte Freiheit vor der ersten Anstellung auskostet, Vorlage für die gleichnamige ZDF-Serie war – die wiederum Horst Janson über Nacht zum Star machte. Als unsere Zeitung ihn gestern erreicht, ist er aufrichtig berührt vom Tod der Schriftstellerin. „Das ist eine sehr traurige Nachricht“, sagt er. „Ohne Barbara Noack wäre mein Leben ganz anders verlaufen. Ich werde ihr ewig dankbar sein.“
Dabei war es am Anfang gar nicht klar, dass er die Titelrolle spielen sollte. „Ich glaube nicht, dass Barbara Noack mir die Rolle auf den Leib geschrieben hat.“ Ihr habe als Typ eher „der junge Dustin Hoffman“ vorgeschwebt, erinnert sich der 87-Jährige. „Ich war eigentlich zu alt für die Rolle.“ Dass er trotzdem besetzt wurde als Münchner Student und gutmütiger Traumtänzer, sei Regisseur Rudolf Jugert zu verdanken gewesen. „Ich weiß aber, dass Barbara Noack später sehr glücklich war mit der Serie und der Umsetzung ihrer Bücher“, so der TV-Star.
Tatsächlich trafen die Geschichten das Lebensgefühl der Siebzigerjahre wie kaum eine andere deutsche Produktion zu der Zeit. Neben „Der Bastian“ schrieb Barbara Noack eine riesige Anzahl weiterer Bücher. „Heiter“ wurden ihre Werke oft genannt – ein Wort, das sie auch selbst gern benutzte, obwohl es in Deutschland immer etwas verpönt sei, „heitere Literatur“ zu schreiben, wie sie in einem Interview vor einigen Jahren klagte.
Dem Erfolg tat das „Heitere“ aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Bücher wie „Ferien sind schöner“ oder „Flöhe hüten ist leichter“ waren Bestseller, auch zwei „Traumschiff“-Folgen trugen die Handschrift von Barbara Noack, deren Karriere alles andere als gut gestartet war.
Das erste Manuskript, das sie einem Verlag geschickt habe, sei „wie ein Bumerang“ zurückgekommen, erzählte sie einmal. Ihre Figuren und Geschichten über Freundschaft, Liebe und das große Glück seien wohl nicht ernst und tragisch genug gewesen. 1955 gelang ihr dann aber mit „Die Zürcher Verlobung“ ein erster Hit, der 1957 mit Liselotte Pulver und Paul Hubschmid prominent verfilmt wurde. Von da an ist es bergauf gegangen.
Ihren Sinn für das Lockere hatte sie als junges Mädchen entwickelt. Ausgerechnet in ihrer schwersten Zeit während des Zweiten Weltkrieges in Berlin, ihrer Heimatstadt. Als Elfjährige fing sie dort das Schreiben an, auch, um die schrecklichen Erlebnisse um sie herum „wegzudrücken“. Ihre Erinnerungen an diese Jahre verarbeitete sie Anfang der Achtziger in „Eine Handvoll Glück“ und „Ein Stück vom Leben“. In den Neunzigern hörte Barbara Noack, die lange in Berg am Starnberger See lebte, weitgehend auf zu schreiben. „Ich habe mich selber in den Ruhestand versetzt. Ich habe geahnt, dass meine Schreibmaschinen irgendwann kaputtgehen und dass ich mit Computern im Clinch liegen würde“, erklärte sie damals. Sie habe auch zu viel geraucht beim Schreiben, hatte irgendwann schlicht keine Lust mehr auf die „Quälerei“.
Ihre letzten Jahre verbrachte Noack, die zwei Mal verheiratet, Mutter eines Sohnes war und mit 68 noch einmal die große Liebe gefunden hatte (ihr Lebensgefährte Bernd starb vor vier Jahren), in einem Heim in München. Ihr Verleger Michael Fleissner (Langen Müller) würdigte sie gestern: „Sie war eine Autorin besonderer Güte und Freundschaft. Barbara Noack bleibt unvergessen.“ Das kann Horst Janson nur unterschreiben. „Ich werde sie auch als sehr humorvolle Frau in Erinnerung behalten“, sagt er. „Und für mich bleibt sie natürlich sowieso etwas ganz Besonderes.“