Ein Hoch auf Hägar

von Redaktion

Vor 50 Jahren erschien in den US-Sonntagszeitungen erstmals der schreckliche Wikinger

VON MICHAEL SCHLEICHER

Bananen und Wikinger – sie sind enger miteinander verwachsen, als mancher Mitteleuropäer vermuten mag. Südfrucht und Nordmänner lagen schließlich beide auf dem Zeichentisch des Richard Arthur Allan Browne, den ja doch alle nur Dik nennen. Also: Dik Browne, 1917 in New York geboren, beschreiben Zeitgenossen nicht nur als schüchtern – er war auch nicht unbedingt auf der Sonnenseite unterwegs. Zunächst jedenfalls nicht. Kunststudium abgebrochen. Reporterkarriere in den Sand gesetzt. Kurzzeitig als Gerichtszeichner unterwegs, für die „Newsweek“ immerhin. Dann hatten die Götter genug und ein Einsehen. In den Vierzigern kam Browne zur Werbung, seine wichtigste Arbeit liegt bis heute in jedem Supermarkt: die Chiquita-Banane – das Logo ist von ihm. Bereits als Lohnzeichner experimentierte er mit Comics und lernte umgekehrt durch die Werbung, seine Botschaften und Pointen rasch sowie punktgenau abzuliefern.

Mit diesem Talent sollte er die Popkultur des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägen und einen der weltweit erfolgreichsten Comicstrips erschaffen: „Hägar der Schreckliche“. Vor 50 Jahren, am 4. Februar 1973, erschien die erste Geschichte in den Sonntagszeitungen der USA; am Tag darauf folgte der erste werktägliche Strip. Ein Erfolg mit Ansage: Schon vor der Premiere buchten 200 Verlage den Wikinger – der fortan die Welt im Sturm eroberte. Bis heute wird „Hägar“ in beinahe 2000 Publikationen gedruckt, verteilt auf rund 60 Länder und in zig Sprachen. Der rotbärtige Radaubruder, seine resolute Helga, die immer etwas schwierigen Kinder Honi und Hamlet begeistern (natürlich!) auch die Leser unserer Zeitung.

„Ich wollte einen Charakter, der sofort zu identifizieren ist … universell erkennbar“, wird Dik Browne, der 1989 gestorben ist, im gerade erschienenen Jubiläumsband zitiert. „Ich wollte nicht, dass der Leser Zeit verschwenden muss, um herauszufinden, wer dieser Charakter sein soll. Die Leute haben es heutzutage immer eilig.“ Außerdem, so der Künstler, der den Zeichenstift 1988 an seinen Sohn Chris weiterreichte, würden alle Menschen Wikinger eben lieben: „Die kommen mit dem grausigsten Benehmen davon – weil sie Wikinger sind.“

Stimmt schon: Niemand kann Hägar böse sein. Klar, er rauft gerne. Und diese ständigen Raubzüge! (Vor allem gegen die Engländer!!) Ja, seine Tischmanieren sind ausbaufähig. Und Himmel, diese Sauferei! Doch Browne wusste genau, was er mit seiner Arbeit wollte: „Ich habe keine politischen Hühnchen zu rupfen und verdammt wenige Weisheiten zu verbreiten. Ich verkaufe Lacher.“ Manche mögen platt sein oder so rau wie sein Zeichenstil – geschenkt. Denn im Barbaren steckt – eh klar! – auch ein Philosoph: „Die Welt verändert sich so schnell“, klagt Hägar einmal. „Ich frage mich, ob die Menschen jetzt glücklicher sind.“ Wer lacht, ist es unbedingt.

Dik Browne/ Chris Browne:

„50 Jahre Hägar“. Egmont Comic Collection, Berlin, 288 Seiten; 35 Euro.

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