Was machen wir mit Papa?

von Redaktion

Gerd Lohmeyer mit „Und es geht ,doch‘“ im Theater…und so fort

VON ULRIKE FRICK

„Überhaupt nichts“ wird er ab morgen machen. „Alles wird für mich erledigt werden. Nicht einmal einkaufen muss ich selber. Herrlich.“ Wie im Urlaub solle es werden, das neue Leben des Herrn Westermann. Denn der gediegene Alte, der da im Dreiteiler mit Fliege inmitten von Umzugskartons sitzt, befindet sich in einem unruhigen Wartezustand. Jede Minute wird sein Sohn an der Tür der 145 Quadratmeter großen Altbauwohnung klingeln und den Vater in ein nobles Altersheim im Grünen karren.

„Und es geht ‚doch‘“ heißt das Ein-Personen-Stück von Thomas Letocha, das Gerd Lohmeyer im Münchner Theater…und so fort spielt. Es ist ein fein ziselierter Abend der leisen Töne, und Lohmeyer spielt sich dem Publikum mit jeder Minute mehr ins Herz. Bei einer letzten Tasse Tee erinnert sich der Opernfan an seine Ehe mit der Bergsteigerin Friederike, seine Affäre mit der Italienerin Antonella und an seinen besten Freund Richard. Je mehr Raum ihm bleibt für Gedanken, umso größer wird Herrn Westermanns Widerwillen gegen seine wenig verheißungsvolle Zukunft.

Musikinstrumente sind beispielsweise nicht erlaubt in der „Residenz“. So streichelt er seine Geige zärtlich ein letztes Mal. Bach hat er gespielt. „Die Solo-Dings in d-Moll“, beginnt er und legt das Instrument nach den ersten Takten wieder weg. „Mit den Arthrose-Fingern wär es eh nicht mehr lange gegangen“, so versucht er, sich den Verzicht schönzureden. Dafür gibt’s in der Residenz Stellplätze für Rollatoren an allen Ecken und Enden. An die grauenhafte Verköstigung bei den zwei Probeessen im Heim kann er sich zum Glück schon nicht mehr genau erinnern.

Irgendwann während seines knapp eineinhalb Stunden dauernden Monologs wechselt Herr Westermann vom kalt gewordenen Tee zum Rotwein, den ihm der benachbarte Kioskbesitzer geschenkt hat. Mit gelockerter Zunge schwelgt der Senior weiter in Erinnerungen. Manche davon sind anrührend, manche wirklich zum Lachen. Ein ganz normales, prall mit Ereignissen gefülltes Leben eben.

Der wunderbare Gerd Lohmeyer bringt das alles mit der gleichen Virtuosität auf den Punkt. Autor Letocha skizziert mit zartem Pinsel das sehr aktuelle Dilemma, was aus Papa werden soll, wenn dessen Körper nicht mehr agil ist, sein Drang nach Freiheit und Abenteuer aber ungebrochen. Dank eines zwar konstruierten aber wirkungsvollen Zufalls erkennt auch Herr Westermann schließlich, was er vom Leben noch erwarten darf. So viel kann verraten werden: Der Marmorkuchen seiner Schwiegertochter ist es nicht.

Vorstellungen

bis 26. Februar, Karten unter www.undsofort.de.

Artikel 4 von 11