Feierlich und unbekümmert

von Redaktion

Gelungene Hommage an Leonard Cohen im Metropoltheater

VON JOHANNES LÖHR

Die Menschen lieben das Scheitern, deshalb lieben sie Leonard Cohen. Den großen Mystiker und Sinnsucher, der im Herbst seines Lebens in einem buddhistischen Kloster für Mönche kochte, während seine Managerin ihn um sein gesamtes Vermögen brachte. Der nur zum Liedermacher wurde, weil er als Dichter nicht vom Fleck kam. Der bei seinem ersten Auftritt nur ein Krächzen zustande brachte und von der Bühne rennen wollte. Das Publikum liebte ihn dennoch. „Sie litten mit mir“, schrieb er, „sie ließen mich ihr tapferstes Selbst sein.“

Das Publikum liebt auch Kathrin von Steinburg und Jakob Tögel, die im Metropoltheater diese Erinnerungen und Zitate in ihre Bühnenshow „A thousand Kisses deep“ einbauen. Es ist die neue Folge der Reihe „Eine Verbeugung vor…“, die Musikgrößen durch „Entkernen und Entschlacken“ der Songs neu erfahrbar machen soll.

Bei Cohen ist das freilich nicht nötig, die Songs des 2016 Verstorbenen liegen nackt und allenfalls durch eine Schicht Sarkasmus geschützt vor uns. Entsprechend sparsam das Bühnenbild – es sieht aus wie im Probenraum: ein Perserteppich, darauf ein Klavier, spartanisches Schlagwerk, eine kleine Orgel, Gitarren. Tögel und von Steinburg stehen zunächst mit dem Rücken zum Publikum und stimmen „Who by Fire“ an. Sein Bariton brummt wie der Meister selbst, ihr mädchenhafter Gesang verschränkt sich mühelos mit seinem – mal singt er die Melodie, sie Harmonie, mal umgekehrt. Mit simplen Mitteln – meist Nylonsaiten und Pianotasten – entsteht eine feierliche Atmosphäre. Songs wie „Bird on the Wire“ oder „I’m your Man“ gelingen herzerweichend schön. Am Ende singen die Leute „Hallelujah“ sogar zaghaft mit.

Das Duo betont freilich, der Abend sei eine Plattform für Cohens Sprache, die sei bei ihm schließlich das Wichtigste. Doch sie geben diesen Songs mit ihrer Hommage auch eine zusätzliche Dimension. Denn so sehr Cohen ein „Ladies’ Man“ war (im Sinne von Frauenversteher), so nahe liegt ihm doch der Machismo. Indem von Steinburg in die Rolle des Künstlers schlüpft, Anekdoten erzählt und diese Lieder (mit-)singt, bricht sie die männliche Perspektive auf. Wenn sie sich ab und an charmant verhaspelt und die beiden ganz am Ende sogar vollends aus der Kurve fliegen und bei der Zugabe neu beginnen müssen, verpasst das der existenzialistischen Gravitas dieses Werks eine ungewohnte Unbekümmertheit. Die hätte dem alten Scheiterer sicher gefallen.

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