Der Glanz von damals ist schon länger weg. Auch, weil die Stadt einst viel mehr Geld in ihre 1988 gegründete Musiktheater-Biennale pumpte – zumal sie anfangs von Komponistenlegende Hans Werner Henze kuratiert wurde. Davon zehrte noch Nachfolger Peter Ruzicka. Doch unter dem Duo Daniel Ott und Manos Tsangaris versponn sich das Festival immer mehr in einem Kokon. Als Corona auch noch zum Ausfall beziehungsweise zu digitalen Formen zwang, wurde das Problem vergrößert.
Auch vor diesem Hintergrund ist die Berufung eines neuen Leitungsduos zu sehen. Ab 2026 wird die Biennale von Katrin Beck und Manuela Kerer geleitet, das hat gestern der Stadtrat beschlossen. Ott und Tsangaris verantworten noch die nächste Ausgabe im kommenden Jahr. Die Italienerin Manuela Kerer ist Komponistin, Juristin und Psychologin. Seit 2023 lehrt sie als Professorin am Konservatorium Bozen. Die Musikwissenschaftlerin, Kulturmanagerin und Kulturvermittlerin Katrin Beck arbeitet seit vielen Jahren intensiv mit der Siemens Stiftung und dem Goethe-Institut in unterschiedlichen Funktionen zusammen, etwa bei der Konzeption und Gründung des Projekts „Music in Africa“. Sie ist auch verantwortlich für die Musikvermittlung des Münchener Kammerorchesters und leitet seit 2016 das künstlerische Betriebsbüro der Biennale.
Beide wollen neue Akzente setzen, wie mitgeteilt wurde. Die Musikvermittlung soll eine größere Rolle spielen – offenbar auch deshalb, weil zuletzt fast nur noch Insider die Termine besuchten. „Künstlerische Impulse in Richtung junges Publikum und nachhaltig geprägte, kollaborative Produktionsprozesse sind für uns essenziell“, formuliert es Kerer. Man werde „viel Raum für Interdisziplinarität, Experiment, Qualität und Fantasie schaffen“ und das internationale Fach- wie auch das Münchner Publikum ansprechen.
Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) ergänzt: „Mit dem neuen Leitungsduo wollen wir das internationale Profil des Festivals fortführen und die Öffnung und Verankerung in der Stadtgesellschaft ausbauen.“