Es war ein lauer Frühsommerabend im Münchner Feierwerk. Mai 1995. Eine Zeit, in der deutsche Rapper noch nicht „auf Tour“ gingen, sondern sich zu „Jams“ trafen. Große Hallen hätten sie nicht gefüllt, stattdessen spielten verschiedene Bands vor Gleichgesinnten. Man kannte sich, stand nach dem Auftritt mit dem Publikum beisammen. „Die Klasse von 95“ hieß das damals. Aber man raunte bereits über diese drei Hamburger, die schon einen der ersten großen Plattenverträge in der Szene hätten. „Fettes Brot“ hießen sie.
28 Jahre später, am 30. April und am 1. Mai, werden „Fettes Brot“ wieder in München auftreten. Ganz groß. Ein letztes Mal. Die Rapper geben ihre Mikrofone ab, auf Abschiedstour machen sie im Zenith Station, das seit Monaten ausverkauft ist. Damit endet eine weite Reise, die König Boris, Björn Beton und Dokter Renz bis an die Spitze der Charts brachte. Inzwischen gehen die drei Herren stramm auf die 50 zu – und in jüngeren Interviews werden sie nur noch mit ihren bürgerlichen Namen genannt. Die „gemeinsame Story“ scheine „irgendwie auserzählt“, erklärten sie vergangenen Sommer, als sie die bevorstehende Trennung mit großer Abschiedstour ankündigten. Insofern ist es stringent, das sich auf dem heute erscheinenden Album „History“ kein einzig neues Stück mehr befindet. Ein schlichtes Best-of, wie es in Zeiten der Streaming-Dienste eigentlich niemand mehr braucht. Aber immerhin: Auch wenn die Lieder nicht chronologisch geordnet sind, kann man mit ihnen noch einmal nachvollziehen, wie sich das Trio rasch von der Rap-Szene entfernte und vor allem Hits produzierte, die bei jeder aus dem Ruder laufenden WG-Party gegrölt wurden.
Anfangs fremdelten sie noch mit dem Geschäft. Der ersten Hit „Nordisch by Nature“, der unmittelbar vor dem Feierwerk-Konzert 1995 veröffentlicht worden war und auf dem alle Freunde (darunter Jan Delay) rappen durften, musste von neun Minuten in der Albumversion fürs Radio ins 3.30-Format gekürzt werden. Als die Single dann in den Charts landete, nahm man sie vom Markt.
Später gab es weniger Berührungsängste. „Jein“ brachte den großen Durchbruch. Es folgten „Bettina, zieh dir bitte etwas an“, „Emanuela“ oder „Schwule Mädchen“ – Stücke mit Wortwitz und teils ernstem Hintergrund. Aber eben auch zum Mitgrölen in Konzerthallen oder beim Après-Ski. Ein bisschen wie die „Ärzte“, nur ohne Gitarren. Doch anders als diese gehen die Meister des unsinnigen Wortspiels vor 50 in Rente.
Fettes Brot:
„History“
(Fettes Brot).