Numero Uno für Udo! Wurde ja auch höchste Zeit. Udo-Lindenberg-begeistert wie man ist, überrascht einen diese Meldung ohnehin: Der Udo hat das erste Mal einen Nummer-eins-Hit in den deutschen Single-Charts? Tatsache: Bislang waren das MTV-Unplugged-Lied „Cello“ (mit Clueso, Platz vier) und vor 40 Jahren der Ohrwurm „Sonderzug nach Pankow“ (fünfter Platz) die bestplatzierten Songs des Panikrockers. Doch jetzt schlägt er mit Rapper Apache 207 ein wie ein „Komet“: So heißt das gemeinsame Lied der beiden, das gerade durch die Decke geht.
„Wow, Leude, das erste Mal in meinem Leben mit einem Song Numero Uno bei den Singles“, freut sich Lindenberg. Er 76, sein „neuer Kumpel Apache 207“ gerade 25. 50 Jahre Altersunterschied, die für einen mächtigen Kreativitätsschub sorgen. Das ist nicht nur Udos Erfolgs-, sondern auch sein Rezept dagegen, ein verbitterter Alt-Rocker zu werden, der nur noch altem Ruhm nachhängt: Lindenberg geht mit der Zeit und kennt in Sachen Musik und Musikerfreundschaften keine Grenzen. Ob mit Clueso, Alice Cooper („No More Mr. Nice Guy – So’n Ruf musste dir verdienen“), Angus & Julia Stone („Durch die schweren Zeiten – I’ll carry you“) oder Maria Furtwängler („Bist du vom KGB 2018“) – seine modernen Duette sind so legendär wie die Klassiker mit Gianna Nannini, den Prinzen oder Nina Hagen. „Das ist ’ne Art Automatik. Das ist ein tiefer Impuls, mit Musik zu experimentieren, ein Erfinder zu sein mit Musik“, hat die lässige Nachtigall einmal selbst ihre nimmermüde Lust am Musizieren und An-neuen-Liedern-Tüfteln im Interview mit unserer Zeitung beschrieben. „Natürlich hatte ich meine Krisen – ist klar! Manchmal denkt man: Du hast 500 Texte geschrieben – wie kriege ich den Phönix mit diesen schweren Flügeln wieder hoch?“
Er kennt die Antwort: Wer fliegen will, muss mutig sein. Also warum als Panikrocker nicht mal wieder eine Zusammenarbeit mit ’nem Rapper wagen? Zumal mit einem solch erfolgreichen wie Apache 207, für den ist „Komet“ schon der elfte Nummer-eins-Song. „Apache fiel mir gleich auf, weil er sich doch sehr vom Normalo-Gangsta-Rap unterscheidet“, erzählte Lindenberg vor der Veröffentlichung der Single Mitte Januar. „Cooler schlauer Junge, sehr geflashte Texte, Trademark-Stimme – und singt auch noch mega-geschmeidig.“
Wie viel Spaß sie zusammen haben, kann man nicht nur hören, sondern auch im millionenfach geklickten Musikvideo sehen. Die Zeile „Lass’ uns noch mal aufdrehen“ heißt hier: Remmidemmi bis zur Straffälligkeit. Trinken, koksen, klauen, Autos crashen, bisschen Gangsta-Rap darf’s eben doch schon sein. Denn: „Wenn ich geh/ Dann so wie ich gekommen bin/ Wie ein Komet/ Der zwei Mal einschlägt.“ Man hat so das Gefühl: Mit dem endgültigen Gehen lässt sich der Udo noch Zeit. Keine Panik!