Noch hat das alte Team im kommenden Jahr eine Biennale vor sich. Doch die beiden neuen künstlerischen Leiterinnen, die das Münchner Festival für neues Musiktheater ab 2026 übernehmen, stehen bereits jetzt in den Startlöchern. Und so ließ auch der erste Pressetermin, einen Tag nach Vertragsunterzeichnung von Katrin Beck und Manuela Kerer, nicht lange auf sich warten. Eingeleitet von einem schriftlichen Grußwort ihrer Vorgänger Daniel Ott und Manos Tsangaris, in denen sie die Wahl der beiden Damen als „kluge und zukunftsweisende Entscheidung“ loben, um „dieses einmalige Festival in eine nachhaltige Zukunft zu führen“.
Der Wechsel an der Spitze ist für Kulturreferent Anton Biebl ein natürlicher Prozess der kontinuierlichen Neuausrichtung. „In der Regel planen wir für drei Biennalen, was sich diesmal nur verlängert hat, weil die Pandemie dazwischenkam.“ Fragen, warum die Leitung diesmal im Gegensatz zum Dance-Festival nicht ausgeschrieben wurde, kommentierte Biebl ausweichend. Wichtig sei das überzeugende Konzept der künstlerischen Leiterinnen sowie die Tatsache, dass trotz allgemeinem Sparkurs das Budget als gesichert gelten darf. Eine potenzielle Verschlankung des Festivals soll sich für Biebl dabei nicht in der Qualität spiegeln, sondern wenn, dann nur in der Quantität. So hat bereits die nächste Biennale 2024 wohl eine Produktion weniger im Programm. Eine Hypothek, derer sich Kerer bewusst ist. „Wir können gut auf dem Papier träumen. Aber wir werden mit allen Mitteln versuchen, das dann auch in die Realität umzusetzen und Lösungen zu finden.“
Im Zentrum ihres Konzepts, über das man zu diesem frühen Zeitpunkt naturgemäß nur wenig erfuhr, steht die Vernetzung. In der Stadt selbst, aber auch auf internationaler Ebene. „Wir wollen Impulse nach München holen, aber auch Impulse nach außen geben. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden.“ Eine Ansicht, die Katrin Beck teilt. „Es ist uns bewusst, welches Potenzial in der Stadt vorhanden ist. Aber wir bringen eine große Offenheit mit und wollen auch unsere eigene Handschrift zeigen.“ Konkurrenz wie das „Ja, Mai“-Festival der Bayerischen Staatsoper hat man auf dem Radar. Wobei Manuela Kerer das Alleinstellungsmerkmal ihres Festivals weiter pflegen will und Zweitaufführungen andernorts erprobter Werke ausschließt. „Die Biennale war immer ein Uraufführungs-Festival und wird es auch weiterhin bleiben.“ Ganz in der Tradition von Gründer Hans Werner Henze. „Wir wollen uns junge Künstlerinnen und Künstler anhören, ihre Ideen einbinden und nicht nur Leute holen, die vor zwei oder vier Jahren schon einmal hier waren.“
Nicht ausschließen will die neue Doppelspitze eine Wiederbelebung der Kooperationen mit Institutionen wie den Münchner Opernhäusern oder dem Kammerorchester. Das fällt unter das Motto Nachhaltigkeit, die auch auf künstlerischer Ebene wieder mehr in den Fokus rücken soll, wie Beck bekräftigt. „Es gibt Festivals, bei denen es vorkommt, dass etwas explizit für den Moment komponiert wird und danach nie wieder eine Chance hat, aufgeführt zu werden. Für München wollen wir ein international vernetztes Umfeld schaffen, mit interessanten Partnern, die das Programm attraktiv machen. Für die Münchnerinnen und Münchner – und für ein überregionales Fachpublikum.“