„Das müssen wir nutzen!“

von Redaktion

Lawrence Brownlee über Rossinis „Barbier“ im Kino

Gilt es die mit Koloraturen gespickten Partien Rossinis zu besetzen, dauert es meist nicht lange, bis der Name von Lawrence Brownlee erscheint. Egal ob in Paris, New York oder Zürich oder London. Am Royal Opera House in London ist der Amerikaner derzeit in „Il barbiere di Siviglia“ zu erleben. Und seine deutschen Fans können heute Abend in ausgewählten Kinos live dabei sein (Infos unter rohkinokarten.com).

Der Almaviva ist eine Ihrer Paraderollen. Wissen Sie, wie oft Sie ihn schon gesungen haben?

Ich habe mal versucht zu zählen und bin auf mehr als 20 Produktionen gekommen. Die erste noch während meiner Uni-Zeit. Es ist eine Rolle, die für meine Karriere sehr wichtig war. Nur London hat bisher noch gefehlt.

Wie hält man eine Partie über zwei Jahrzehnte frisch?

Es wäre leicht, auf Autopilot zu schalten. Aber unser Regisseur Moshe Leiser erinnert einen immer daran, den anderen zuzuhören und auf sie zu reagieren. Dadurch entdeckt man tatsächlich jedes Mal Neues. Kollegen wie Bryn Terfel oder Fabio Capitanucci sind gute Freunde. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, wieder mit ihnen zu arbeiten. Auch unser Figaro Andrzej Filończyk oder Aigul Akhmetshina als Rosina sind zwei wunderbare junge Stimmen, die jetzt ihre eigene Perspektive mit einbringen. Das ist eine extrem gute Mischung.

Spielt man anders, wenn einen Kameras beobachten?

Nein! Ich hatte das Glück, bei vielen solcher Übertragungen zu singen. Unter anderem aus dem Royal Opera House, als ich hier in Lorin Maazels „1984“ aufgetreten bin. Ich denke, man ist am authentischsten, wenn man gewissenhaft das tut, was man gemeinsam auf den Proben erarbeitet hat. Das vermittelt sich auch dem Publikum.

Immer mehr Theater setzen inzwischen aufs Kino. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Ich finde das gut. Selbst wenn es das Live-Erlebnis nicht ersetzt. Aber es gibt eben viele Opernfans, die es aus finanziellen oder anderen Gründen nie in die Scala, nach Paris, London oder an die Met schaffen. Und so hat man zumindest im Kino Gelegenheit zu erleben, was diese Häuser besonders macht. Außerdem bekommt man Nahaufnahmen und Backstage-Einblicke, die man als normaler Besucher nie hätte.

Sie werden in der kommenden Saison auch selbst eine Übertragung aus der Met moderieren. Wie kam es dazu?

Ich rede sehr gerne. Das hat sich anscheinend rumgesprochen. (Lacht.) Wer mich kennt, weiß, dass ich mich für mehr Diversität auf der Bühne einsetzte und versuche, Oper für alle zugänglicher zu machen. Da ist das Kino ein gutes Medium.

Ebenso wie Ihr Podcast, den Sie in der Pandemie-Zeit gestartet haben.

Es war eine große Ehre, mit Legenden wie George Shirley oder Martina Arroyo zu sprechen. Und es ist schon öfter passiert, dass Menschen nach einer Vorstellung zu mir kamen und erzählten, dass sie den Podcast gehört hätten oder in einer Kino-Übertragung waren und daraufhin Lust hatten, mich einmal live zu erleben. Also können solche Formate definitiv ein Einstieg sein. Das müssen wir nutzen!

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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