Der österreichische Komponist und Dirigent Friedrich Cerha ist tot. Er starb am Dienstag in Wien, drei Tage vor seinem 97. Geburtstag. Cerha galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Tonschöpfer und schuf mehr als 200 Orchester-, Kammermusik- und Solowerke. Bekannt wurde er unter anderem als jener Komponist, der Alban Bergs Oper „Lulu“ vollendete.
„Ich habe mich vom Außenseiter zum Unangepassten entwickelt“, sagte Cerha einmal. Ursprünglich fühlte er sich dem Neoklassizismus, der Zwölftonmusik und dem Serialismus verpflichtet. Mit dem Orchesterstück „Spiegel“ befreite er sich Anfang der Sechzigerjahre von diesen Traditionen und schuf eine eigene Klangwelt. Der Sohn eines Elektroingenieurs begann im Alter von sechs Jahren mit dem Geigenspiel und komponierte schon während der Schulzeit. Noch bevor er das Abitur ablegen konnte, wurde Cerha 1943 zur Wehrmacht eingezogen. Der überzeugte Antifaschist desertierte jedoch und lebte danach im Untergrund.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Bergführer, bevor er in Wien unter anderem Komposition, Geige und Germanistik studierte. Zu Beginn seiner Komponisten-Laufbahn gab es auch viel Ablehnung, gerade für den „Spiegel“-Zyklus. „Nach den ersten Aufführungen wurde das als intellektuelles Experiment, als Kopfmusik bezeichnet“, sagte Cerha rückblickend. In Wirklichkeit sei das Werk aus „einem elementaren Ausdrucksbedürfnis“ entstanden und habe ihm geholfen, sich von den Kriegserlebnissen zu befreien.
Cerha schuf nicht nur eigene Musik. Er gründete 1958 mit seiner Frau Gertraud und dem Kollegen Kurt Schwertsik das Kammerensemble Die Reihe, das es sich zur Aufgabe machte, Komponis-ten wie Alban Berg, Anton Webern und Arnold Schönberg bekannter zu machen. Als Opernkomponist trat Cerha erst 1981 in Erscheinung, sein Werk „Baal“ wurde damals bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Danach folgten unter anderem die Opern „Der Rattenfänger“ und „Der Riese vom Steinfeld“. 2013 brachte das Münchner Gärtnerplatztheater sein Musiktheaterstück „Onkel Präsident“ heraus. Es basiert auf Ferenc Molnárs Bühnenstück „Eins, zwei, drei“, das einst in Billy Wilders Verfilmung Weltrum erlangte.
Trotz des großen Ruhms blieb Cerha bescheiden. „Ich habe mich auf meinem Platz zwischen den Stühlen immer sehr wohlgefühlt“, pflegte er zu sagen.