„Wir geben nicht auf“

von Redaktion

Bruno Jonas glaubt an die Rettung der Lach- und Schießgesellschaft

VON RUDOLF OGIERMANN

Hier wurde Dieter Hildebrandt groß, hier gehörten Granden der Zunft wie Rainer Basedow, Jochen Busse, Henning Venske, Simone Solga und Michael Altinger zum Ensemble, doch schon länger war es still geworden um die im Jahr 1956 gegründete Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ein Mythos, ohne bundesweite Bedeutung. Nun steht das kleine Kabaretttheater in Schwabing möglicherweise vor dem Aus. Seit ein paar Tagen ruht der Spielbetrieb, die drei Gesellschafter liegen im Streit (wir berichteten). Einer von ihnen ist Kabarettist Bruno Jonas, der im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich macht, dass er fest an eine Zukunft des „Ladens“ glaubt.

Der 70-Jährige, der Anfang der Achtzigerjahre ebenfalls zum Hausensemble gehörte, will, wie er wissen lässt, im Boot bleiben, ebenso wie Laila Nöth (28), Tochter des einstigen „Hallenkönigs“ Wolfgang Nöth: „So schnell gebe ich nicht auf!“ Nun sollen neue Geldgeber gefunden werden. Angefragt sei – auf Initiative Nöths – unter anderen der Medienunternehmer Helmut Markwort (86). Auch mit der Stadt München sei man im Gespräch. Danach soll ein neuer Geschäftsführer installiert und der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Schwere Vorwürfe richtet Jonas gegen den inzwischen als Geschäftsführer abgesetzten Stefan Hanitzsch. Der habe „das momentane Schlamassel zu verantworten“. Der 46-Jährige, Sohn des Karikaturisten Dieter Hanitzsch, habe bei der Übernahme im Herbst vorvergangenen Jahres „tolle Ideen“ gehabt, mit denen er ihn, Jonas, und Mitgesellschafterin Nöth überzeugt habe. Allerdings: „Nichts davon wurde umgesetzt.“ Stattdessen „hat er Geld ausgegeben, das er nicht hatte“, so Jonas an die Adresse des einstigen Kompagnons. Die Pandemie habe ein Übriges getan, die Lage zu verschlimmern: „Die hat uns alle schwer getroffen.“

Doch schon vor dem Gesellschafterwechsel Ende 2021 sei die Situation schwierig gewesen, wie der Altstar durchblicken lässt. Till Hofmann, Betreiber des benachbarten Lustspielhauses und diverser anderer Münchner Kleinkunstbühnen, habe sich – als Gesellschafter und Geschäftsführer des „Ladens“ seit dem Jahr 2000 – in einem „Interessenkonflikt“ befunden. Anstatt die Lach- und Schießgesellschaft im Auge zu behalten, habe der die renommierteren Künstler ins größere Haus geholt und die kleinere Bühne dem weniger bekannten Kabarettnachwuchs überlassen.

Ein Eindruck, den Andreas Rebers, Ensemblemitglied Ende der Neunzigerjahre, gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Auch große Namen, die sich auf Dieter Hildebrandt berufen hätten, seien nicht mehr in der Lach- und Schießgesellschaft aufgetreten, sagt Rebers. Daher habe schon länger „Alarmstimmung“ geherrscht, zumal die „Gegenfinanzierung“ durch die Tourneen des Ensembles schon lange zuvor weggefallen sei.

Die Lach- und Schießgesellschaft als Bühne, die sich sowieso schon lange nicht mehr selbst trägt, auch nicht mit einem fähigen Geschäftsführer? Und die schon vor der Übernahme durch Stefan Hanitzsch vor der Pleite stand? Ein Urteil, dem Ex-Betreiber Till Hofmann energisch widerspricht. Der „Laden“ sei bei der Übergabe an die neuen Gesellschafter „mitnichten pleite“ gewesen, so Hofmann am Dienstag in einer Pressemitteilung. Auf dem Konto hätten sich 70 000 Euro befunden. Niemand habe Jonas und seine Mitgesellschafter gezwungen, „mitten in der Pandemie ohne jegliche Ahnung vom Betrieb eines Theaters die Lach- und Schießgesellschaft zu übernehmen. Also möge man nun nicht bei uns nach den Schuldigen suchen.“

Das damalige Team, so Hofmann weiter, hätte „die gute alte Dame gerne durch die Corona-Zeit geführt, und wir sind sicher, wir hätten das auch geschafft. Allerdings nicht unter dieser neuen Gesellschafterkonstellation.“ Da Jonas und Laila Nöth nicht bereit gewesen seien, ihre Anteile zu verkaufen, habe er „sicher nicht leichten Herzens“ die Konsequenzen gezogen. „Wir hoffen sehr, dass der Spielbetrieb im ,Laden‘ wieder aufgenommen werden kann, der Stadt fehlt ein Theater dieser Größe – in jeder Hinsicht – sehr“, heißt es abschließend.

Das hofft auch Andreas Rebers, der dem aktuellen, nun arbeitslos gewordenen Ensemble ein gutes Zeugnis ausstellt. Christl Sittenauer, Sebastian Fritz und Frank Klötgen hätten mit „Aufgestaut“ einen „schönen neuen Style“ kreiert: „Mit denen kann es weitergehen.“ Er selbst fühle sich dem Haus verbunden, betont der 65-Jährige, und „würde da auch wieder spielen“. Die Premiere seines neuen Programms „Rein geschäftlich“ findet nun allerdings nicht wie geplant in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft statt, sondern Ende März in Freiburg im Breisgau.

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