Mit wohlklingenden Tönen bringen sie Stimmung in Einkaufsmeilen, U-Bahn-Stationen und Fußgängerzonen: Straßenmusiker sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Stadtlebens. Passanten, die gefangen in ihrem Alltagsstress an ihnen vorbeihetzen, ist jedoch oftmals nicht klar, dass dieser Beruf auch historisch tief verwurzelt ist. Damit beschäftigt sich jetzt das Bayerische Nationalmuseum in der Studioausstellung „Straßenmusik: Fahrende Musikanten und ihre Instrumente“. Hier wird nicht nur die reiche Tradition dieser Beschäftigung thematisiert, sondern gleichzeitig auch ihre heutige Bedeutung hervorgehoben.
Dass diese Schau mit viel Bedacht gestaltet wurde, wird beim Betreten des leicht abgedunkelten Raums sofort deutlich: Begleitet von Videoaufzeichnungen dreier gegenwärtiger Münchner Straßenbands, kann man hier unter anderem dudelsackähnliche Sackpfeifen und Drehorgeln aus dem Zeitalter fahrender Straßenmusikanten begutachten. Klangbeispiele ergänzen den Besuch, für den Fall, dass sich das Publikum nichts unter der Melodie eines Hackbretts oder einer Drehleier vorstellen kann. Kurator Sybe Wartena hat den begrenzten Platz optimal genutzt, um so viele Eindrücke wie möglich zu bieten. Dabei verbindet er die Geschichte der Instrumente mit der Entwicklung des fahrenden Künstlertums.
„Eine soziale Spaltung zieht sich auch durch die Geschichte der Straßenmusiker“, meint Wartena. Kunstschaffende, die an angesehenen Höfen sesshaft werden konnten, existierten neben Gelegenheitsmusikern, die für Almosen spielten. Auch heute gebe es vergleichbare Unterschiede zwischen Straßenmusikern, die anspruchsvolle Ensembles vertreten und „gar nicht schlecht“ verdienen, und solchen, die nicht professionell auftreten, zum Beispiel Sinti und Roma.
Selbst vor den Instrumenten machte diese Spaltung einst nicht halt. Besonders beeindruckend ist in diesem Zusammenhang ein mechanisches Hackbrett – die Spielweise ähnelt der einer Drehorgel –, dessen Besitz im 17. Jahrhundert einen Luxus darstellte. Nachträglich angebrachte Tragegurte belegen jedoch, dass es bereits ein Jahrhundert später zum „Bettlerinstrument“ degradiert wurde. Zur selben Instrumentenfamilie gehört die Serinette, auch „Vogelorgel“ genannt, mit der wohlsituierte junge Frauen ihren Singvögeln auf tierquälerische Art Melodien einflößten.
Andere Exponate geben tiefere Einblicke in das eigentliche Leben der Musiker, die oftmals die Not in diesen Beruf trieb. So spielten Bergleute aus Sachsen oder Böhmen die Cister zunächst nur nebenbei, bis das Musizieren mit dem Zupfinstrument lukrativer wurde als die Arbeit in den Minen. Statuetten, Schnitzereien und Gemälde aus dieser Zeit zeichnen dagegen häufig ein verklärtes Bild dieser Tätigkeit, indem sie behaupten, dass Freiheit und Ursprünglichkeit das Leben fahrender Musikanten dominierten.
„Diese Ausstellung schlägt viele Fliegen mit einer Klappe“, heißt es vonseiten des Museums. Bislang eher unbekannte Objekte aus dem Archiv bekämen endlich die Chance, restauriert und gezeigt zu werden. Doch nicht nur die „Erhaltung des Kulturguts“ sei hierbei das Ziel. Auch die Hoffnung, möglichst viele junge Menschen zu erreichen, schwingt mit. Bei dieser ausgewogenen Mischung spannender Exponate, filmischer und auditiver Untermalung muss man sich darüber eigentlich keine Sorgen machen.
Bis 7. Januar 2024,
Di.-So. 10-17 Uhr, Prinzregentenstraße 3; www.bayerisches- nationalmuseum.de.