Der König der Krimis

von Redaktion

NACHRUF Der Schauspieler Heinz Baumann ist mit 95 Jahren in München gestorben

VON KATJA KRAFT

Jetzt sind sie beide tot. Und vielleicht erschüttert einen die Nachricht, dass Schauspieler Heinz Baumann mit 95 verstorben ist, auch deshalb ungewöhnlich stark für einen Menschen, den man ja eigentlich gar nicht kannte, weil dies daran erinnert, dass auch Evelyn Hamann (1942-2007) nun schon 15 Jahre tot ist. Mit ihr verbindet man Heinz Baumann natürlich als Erstes. Die gemeinsame ARD-Serie „Adelheid und ihre Mörder“ war einer seiner größten Erfolge. Von 1993 bis 2007 lief dieser liebenswerte Hamburger Schmunzel-Krimi. Hamann spielte Adelheid Möbius, Sekretärin der Mordkommission Zwo („Ich bin hier bloß die Tippse“), Baumann ihren Vorgesetzten, Kriminalhauptkommissar Ewald Strobel. Was war das immer für ein Vergnügen, dabei zuzuschauen, wie sie Folge für Folge ihre Kompetenzen überschritt und die Fälle fast im Alleingang löste – und er derweil gekonnt jedes Übermaß an Anstrengung umschiffte, lieber an seine Untergebenen delegierte: „Seit wann schält der Küchenchef die Kartoffeln?“ Sein Gesicht so zerknautscht wie das Anzughemd. Seine Stimme so tief und unverwechselbar, dass man ihn gern einmal live auf der Theaterbühne erlebt hätte.

Denn Heinz Baumann konnte nicht nur Fernsehen. Am 12. Februar 1928 als Sohn eines Schiffszimmermanns in der Nähe von Oldenburg in eine Familie von Schaustellern und Bauern geboren, zog es ihn ins Rampenlicht. Er nahm Schauspielunterricht, bewarb sich ohne Abschluss bei Theatern. Sein erstes Engagement führte ihn mit 20 nach Quedlinburg. Von der Waterkant nach Sachsen-Anhalt in die sowjetische Besatzungszone. Man kann sich ihn, der gern den eigenwilligen Dickschädel spielte, nicht so recht vorstellen in einem politischen System, in dem Linientreue alles galt. So hielt es Baumann, der 40 Jahre bis zu ihrem Tod 2003 mit Gardy Brombacher verheiratet und Vater zweier Kinder war, im Osten denn auch nicht lange aus. Noch vor dem Mauerbau zog er zurück nach Westdeutschland. Nach Engagements in Dortmund, Hamburg, Bremen, Köln, Frankfurt und Stuttgart war er ab 1966 im Ensemble der Münchner Kammerspiele.

Hier im Süden haben sie den Mann aus dem Norden überhaupt sehr gemocht. Noch so ein großer Serienerfolg für Heinz Baumann: die ZDF-Reihe „Soko 5113“ über ein Team der Münchner Kriminalpolizei. Zuletzt lebte er mit seiner Lebensgefährtin in Schwabing.

Wie fesch der 1,91 Meter große Schauspieler in jungen Jahren ausgeschaut hat, sieht, wer sich heute noch einmal Kurt Hoffmanns Komödie „Das Spukschloss im Spessart“ aus dem Jahr 1960 gönnt. Er an der Seite von Liselotte Pulver – was für ein charmantes Paar. Und doch ging nichts über ihn und Evelyn Hamann. Die hatte als Adelheid ja im Grunde Narrenfreiheit beim Chef. Jeden Morgen ihr selbes Ritual. Sie schwingt fröhlich in sein Büro: „Morgen, Chef!“ Und er, noch ganz verdattert, übernächtigt, stottert ein: „Morgen, Frau Möbius.“ Dann der verdutzte Nachsatz: „Schon wieder Morgen?“ Für diese Rolle erhielt er 2002 den Bayerischen Fernsehpreis. Völlig klar, dass die Serie beendet wurde, als Hamann an Krebs verstarb – die Krimis lebten ja vom Gegensatz der beiden Hauptpersonen. Und von dem hübschen, ewig gleichen Dialog zwischen Hamann und Gisela May, die ihre Mutter Rosa spielte. Adelheid: „Komm schon, Muddi“. Rosa: „Sag nicht immer Muddi zu mir.“ Adelheid: „Ja, Muddi.“ Auch May ist seit 2016 verstorben. Auf DVD kann man alle 65 Folgen kaufen. Dazu Matjesbrötchen und ein kaltes Bier. Auf den nordischen Bären. War einer von den Guten.

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