Heutzutage, im Kindle-Zeitalter, bedeutet Lesen ja oft: Buch laden – aus dem Internet. Ein Ersatz für einen richtigen Buchladen, in dem es noch nach Papier riecht, und in dem die kluge Buchverkäuferin treffsichere Empfehlungen liefert, kann das aber nicht sein. Und um genau so einen Buchladen geht es im neuen GOP-Programm „Bookshop“. Das Publikum bestaunt einen versponnenen Mini-Hugendubel. Wenn die Show ein Buch wäre, würde man auf einen Fortsetzungsroman mit vielen Folgen hoffen.
Als Buchhändlerin steht die kleine Frau Sonntag hinter dem Poet-Tisch, hemmungslos quirlig gespielt von der französischen Varieté-Legende Amélie Demay. Auf einem Sofa hat Herr Oskar offenbar zu lange in seinem Buch geschmökert. Denn er hat sich in ein Skelett verwandelt – was die junge Belgierin Helena Jans aber nicht daran hindert, mit dem Knochenmann einen schaurig-schönen Lufttanz zu vollführen.
Als verschrobener Assistent Nigel treibt Joel Baker aus den USA Schabernack und turnt an einer Leselampe, die ein dubioses Eigenleben führt. Die junge Berlinerin mit dem romantauglichen Namen Gwenadou Schroeckleloeck zeigt im Super-Woman-Anzug mit dem Hula Hoop Reife. Und weil es im schrägen Buchladen so hoch hergeht, rücken irgendwann die ukrainischen Akrobaten Alex und Vlad als Ordnungshüter an – und wirbeln sich mit Händen und Füßen schneller durch die Luft, als es die Polizei erlaubt.
Die wahren Stars sind aber die Musiker des Trios TriOle, die den Buchladen mit handgemachter Livemusik wie aus einem französischen Film der Sechzigerjahre beschallen. Vor allem für den hinreißenden polnischen Perkussionisten Adam Tomaszewski kann man gar nicht laut genug trommeln. „Bookshop“ ist nicht so spektakulär wie das brillante Programm „Freaks“ – dafür aber ein sehr poetisches Vergnügen. Großer Jubel für den Hugentrubel.
Weitere Vorstellungen
bis 30. April;
Telefon 089/210 28 84 44.