Das Bild vom Dirigenten als autoritärem Alleinherrscher hat langsam, aber sicher ausgedient. Das ist, wie man so schön sagt, auch gut so. Entsteht Musik doch vor allem aus dem Miteinander. Dies zeigte sich nun wieder beim Abonnementkonzert des BR-Symphonieorchesters im Münchner Herkulessaal, das seinen Anfang mit einer routinierten „Manfred“-Ouvertüre nahm. So überstürzt, wie Daniel Harding hier Schumanns Beitrag zu Lord Byrons dramatischem Gedicht anging, schien es trotz zügiger Tempi dennoch eine gefühlte Ewigkeit zu dauern, bis sich der rechte Zug einstellen wollte.
Der opernerfahrene Geschichtenerzähler blitzte da eher bei Antonín Dvořáks Tondichtung „Die Waldtaube“ auf – obwohl es dem einleitenden Trauermarsch erneut ein wenig an Dringlichkeit fehlte und erst die Hochzeit-Episode so richtig zündete, in der die Geschichte der giftmischenden Witwe ihren entscheidenden Wendepunkt nimmt.
Wie anders dagegen nach der Pause das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms, das vom ersten Takt an vor Intensität brannte. Mit Kirill Gerstein kam hier ein zweites Kraftzentrum ins Spiel. Ein Störfaktor im positiven Sinne, der den bestens aufeinander eingespielten Klangkörper immer wieder herausforderte und vorwärtstrieb. Wobei deutlich zu spüren war, dass der Pianist als „Artist in Residence“ natürlich zum erweiterten Familienkreis zählt und die bei gemeinsamen Kammermusik-Aktivitäten geknüpften Beziehungen gewinnbringend zum Tragen kamen, etwa im Dialog zwischen Klavier und Solo-Cello im dritten Satz. Eine beeindruckende Interpretation, transparent im Klang und dynamisch nuanciert, aber wenn nötig auch mit dem angemessenen Druck, der den Spannungsbogen bis zum Finale nicht mehr abreißen ließ. TOBIAS HELL