Henrik Freischlader hat sich auf die Werte seiner Anfangszeit als Musiker besonnen und das Album „Recorded by Martin Meinschäfer II“ veröffentlicht. Damit knüpft der vielleicht beste Bluesgitarrist Deutschlands, der mitunter auch mit Helge Schneider tourt, an sein erstes echtes Solo-Album an. Nach seinen Ausflügen der vergangenen Jahre in Soul, Jazz und Rhythm’n’Blues, gibt es jetzt wieder kernigen Bluesrock vom gebürtigen Kölner, der seit Langem in Wuppertal lebt. Obwohl der 40-Jährige das neue Werk im Alleingang eingespielt hat, ist Freischlader derzeit mit einer frisch rekrutierten Band auf Frühjahrstournee: Am Sonntag gastiert er in München. Wir sprachen vorab mit ihm.
Ihr neues Album verweist mit seinem Titel auf „Recorded by Martin Meinschäfer“, Ihre erste Solo-Platte von 2009. War das immer so geplant?
Für mich ja, aber meinem Produzenten Martin Meinschäfer habe ich es erst während des Aufnahmeprozesses gesagt. Es hat mir damals so viel Spaß gemacht, das erste Album im Alleingang einzuspielen, dass ich das unbedingt wiederholen wollte. Jetzt war die Zeit einfach dafür gekommen: Ich hatte keine Band, ziemlich viel Zeit und lange keine Platte mehr aufgenommen.
Der erste Song der Platte heißt „Free“. Für welche Art von Freiheit steht er?
Jeder Mensch empfindet die Freiheit auf seine eigene Art und Weise. Ich möchte zu jeder Zeit frei sein dürfen – gleichzeitig ist es wichtig, auch allen anderen ihre Freiheit zu lassen. Das hat in den vergangenen Jahren nicht so gut funktioniert, finde ich. Die Freiheit war oft sehr festgelegt und begrenzt wie ein Farbkasten mit nur einer Farbe.
Wie meinen Sie das?
Es wurde während der Pandemie auf alle Fälle deutlich, dass der Profi-Fußball wichtiger war als Konzerte in den kleinen Clubs, oder auch, dass der offene Baumarkt wichtiger war als Gottesdienste. Die Unverhältnismäßigkeit und teilweise auch die Unlogik vieler Beurteilungen sprangen einen förmlich an. Dadurch wurde wieder einmal deutlich, dass es fast immer nur ums Geld geht.
Wo sehen Sie den Kulturbetrieb heute? Ist der Neustart nach Corona geglückt?
Nun ja, der Kulturbetrieb wurde durch die Beschränkungen komplett lahmgelegt und befindet sich weiterhin erst in der Erholungsphase. Wir alle müssen mithelfen und dafür sorgen, dass die kleinen Clubs nicht schließen müssen.
Erzählt davon auch das Stück „Old Life back“?
Der Song greift in gewisser Weise den Freiheitsimpuls von „Free“ auf: Ich bin kein moderner Mensch und empfinde einfach vieles als totalen Quatsch und Regelüberfluss.
Welche Geschichte steckt hinter dem Titel „Hands of Jesus“?
Der beschreibt aus meiner Sicht den derzeitigen Zustand der Welt und liefert die für mich einzige Möglichkeit, damit zurechtzukommen und sich trotzdem noch sicher und geborgen fühlen zu können.
Inwiefern?
Insofern, dass ich mich jeden Tag aufs Neue über das Geschenk des Lebens freue. Ich bin dankbar dafür, dass ich das machen darf, was ich mache, und habe ständig das Bedürfnis, mich dafür bei unserem Schöpfer zu bedanken.
Das Gespräch führte Thorsten Hengst.
Henrik Freischlader:
„Recorded by Martin Meinschäfer II“ (Cable Car Records).
Konzert: Henrik Freischlader spielt am Sonntag, 19. März, 20 Uhr, im Feierwerk; Karten unter www.muenchenticket.de.