Hamlet darf liegen bleiben – in der Komödie steht man nach einem Tritt wieder auf! So einfach lässt sich laut Charlie Chaplin das Rezept seiner Leinwanderfolge erklären. Auf den ersten Blick scheint es daher fast absurd, ausgerechnet dem Meister des Stummfilms nun ein wortreiches Schauspiel zu widmen. Doch Wieland Schwanbeck bietet mit „Slapstick“ eben kein „Best-of Chaplin“, sondern einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik, der im Münchner Teamtheater in knackiger Spielfilmlänge wie im Flug vergeht.
Aufhänger ist die legendäre Begegnung zwischen Chaplin und Orson Welles, aus der die düstere Komödie „Monsieur Verdoux“ hervorging. Ein Film, mit dem der ewige Tramp sein Image in eine neue Richtung lenken wollte – und zu dessen Urheberschaft die beiden Hollywood-Legenden höchst gegensätzliche Ansichten vertraten. Schwanbeck verpackt diesen Konflikt in doppelbödige Wortwechsel, bei denen nicht jede der schnell getakteten Pointen gleichermaßen zündet. Aber es landen genügend Treffer, um einen kurzweiligen Abend zu garantieren. Der schwarzhumorige Spaß richtet sich dabei keineswegs nur an Film-Nerds, die bei Insider-Gags wissend nicken oder in Aylin Kaips Art-déco-inspiriertem Bühnenbild Anspielungen auf den „Großen Diktator“ entdecken.
Und irgendwie passt es, dass Robert Gregor Kühn als Chaplin mit seinen wortlosen Reaktionen oft mehr sagt als mit den herzlosen Kommentaren, die ihm der Autor vor allem im Dialog mit seiner von Lina Maria Bullwinkel verkörperten Lebensabschnittsmuse in den Mund legt. Daneben versteht es Sandro Kirtzel, mit charmantem Pokerface seine rhetorischen Spitzen zu platzieren, ehe er nach einem Zeitsprung von fünf Jahren in Tonfall und Körpersprache gereift zurückkehrt. Regisseur Jacoub Eisa lässt seinen Protagonisten den nötigen Raum und zeigt neben den Slapstick-Elementen auch Gespür für jene Szenen, in denen es emotional ans Eingemachte geht.
Dazu gibt Timo Alexander Wenzel in bester Vaudeville-Tradition den „Straight Man“ fürs zentrale Duo und darf als Butler Kono immer wieder aus der Handlung heraustreten, um zum neunmalklugen Erzähler zu mutieren, der das Publikum zum Schmunzeln bringt.
Nächste Vorstellungen
am 15., 16., 17., 18. März,
Am Einlaß 2a; Telefon 089/260 66 36.