Friedensverhandlungen

von Redaktion

Kammerspiele und Monacensia laden zum Festival „Female Peace Palace“

VON SIMONE DATTENBERGER

Münchens Theater stürzen sich in die Festvalitis. Nun haben die Kammerspiele kurz nach dem Volkstheater ihr Programm zu „Female Peace Palace“ bekannt gegeben – und sich vor die Kollegen geklemmt. Der „Friedenspalast“ öffnet vom 31. März bis zum 24. April seine Tore; „Radikal jung“ läuft vom 27. April bis zum 5. Mai (wir berichteten). Menschen in Ausnahmezuständen werden wir hier wie dort erleben.

Kammerspiele-Intendantin Barbara Mundel bekennt bei der Vorstellung der Projekte im Literaturarchiv Monacensia, wie sehr dieses Schatzhaus der Geschichte(n) sie beflügelt, sich mit der Tradition ihrer Spielstätte und der Stadt auseinanderzusetzen. Deswegen funktioniere die Zusammenarbeit der Institutionen, so Monacensia-Chefin Anke Buettner, seit Jahren gut und sei nun in „Female Peace Palace – Theater und Widerstand in Zeiten des Krieges“ kulminiert. Die Monacensia hat dazu – wie berichtet – Pionierarbeit geleistet, etwa 2018 mit der erhellenden Ausstellung „Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung 1894-1933“; zurzeit ist die Schau „Frei leben! Die Frauen der Boheme. 1890-1920“ zu sehen (bis 31. Juli).

Die Ausstellung ist automatisch Teil des Festivals, weil in jene Ära ein Ereignis fällt, auf den der Titel Friedenspalast verweist. Bereits 1915, also noch ziemlich am Anfang des Ersten Weltkriegs, versammelten sich knapp 1200 Frauen über alle Grenzen und Einstellungen hinweg in Den Haag zum „Ersten Internationalen Frauenfriedenskongress“. Daran wollen die Kammerspiele und die Monacensia anknüpfen. Es wird ebenfalls eine „Versammlung“ (20. bis 22. April) mit einer Diskussion geben: am 21. April mit Journalistin Golineh Atai, Kristina Lunz (Centre for Feminist Foreign Policy) sowie der Denkerin und Kuratorin Françoise Vergès.

Dramaturgin Olivia Ebert ist es wichtig zu sagen, wie „visionär“ die damalige Friedenskonferenz war – und wie „konkret“. Manche der Forderungen wurden später verwirklicht, zum Beispiel in der UN, dem Internationalen Gerichtshof und dem Verbot von Vergewaltigung als Waffe. All das ist genauso brennend aktuell wie das Verbot von Gebietsannexionen, nicht nur im Hinblick auf den Überfall Russlands auf die Ukraine. Die Frauen von 1915 – darunter viele Münchnerinnen – schaffen für uns, so Ebert, „die Ermutigung, Utopien zu erarbeiten“.

Dass die Themen Frieden und Pazifismus gerade „heiß geworden sind“, ist Dramaturgin Viola Hasselberg bewusst. Deswegen stehe „Female Peace Palace“ für die Frage „Wer schafft es noch, welche Kunst zu machen in dieser Zeit?“. Das Kammerspiele-Team ließ sich jedenfalls nicht abschrecken, lud Künstlerinnen aus Syrien, der Ukraine sowie der Türkei ein und bietet neben der Konferenz die Wiederaufnahme der „Bayerischen Suffragetten“, aktuelle Produktionen (die Romanadaption „Die Freiheit einer Frau“, „Der Sprung vom Elfenbeinturm“ über die Dichterin Gisela Elsner und „Licht“, bei dem jesidische Frauen erzählen) und schließlich vier Premieren.

Den Auftakt macht „Anti War Women“ (ab 31. März im Schauspielhaus), das von den Friedensvorschlägen 1915 und einigen herausragenden Persönlichkeiten erzählt, zum Beispiel den ersten Ärztinnen. Die Performance „In my Hands I carry“ widmet sich der Afroamerikanerin Mary Church Terrell, die schon 1904 auf dem Berliner Frauenkongress sprach (14. April, Schauspielhaus-Foyer). Am gleichen Tag hat das ukrainisch-deutsche Stück „Green Corridors“ von Natalia Vorozhbyt Premiere (Therese-Giehse-Halle). Es geht um Flucht und Heimkehr von vier Frauen. Das Stück „Halide. Words of Flame“ kommt aus Istanbul und porträtiert das abenteuerliche Leben von Halide Edip Adivar (1884-1964); Premiere ist am 20. April im Werkraum. Um darüber hinaus Breitenwirkung zu erlangen, gibt es ein Jugendprogramm, einen Podcast und zehn Stipendien für auswärtige Künstlerinnen.

Weitere Informationen

unter www.muenchner-kammerspiele.de; Karten und Festival-Pass (60/30 Euro) an der Theaterkasse, unter 089/233 966 00 und theaterkasse@kammerspiele.de.

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