Margaret Mitchells Südstaaten-Drama „Vom Winde verweht“ (1936) um die taffe Scarlett O’Hara ist ein Hit – doch voll von rassistischen Klischees. Amina Eisner rückt in ihrer Neuerzählung deshalb eine Frau ins Zentrum, die bei Mitchell nur Nebenfigur war: Sklavin Prissy. Und führt die Geschichte in die Gegenwart fort. Prissys Nachfahren im Berlin des Jahres 2021 lesen die Tagebücher der Sklavin und von deren Kindern. Und verfolgen so, wie Menschen schwarzer Hautfarbe seit Jahrhunderten gequält und ausgegrenzt werden. Regisseur Jörg Schlüter inszeniert das achtstündige Hörspiel mit fantastischen Sprecherinnen und Sprechern wie Matthias Habich mit reichlich Soundkulisse spannend wie Ohr-Kino. So springt man gern zwischen den Zeiten der Ursprungsgeschichte und heute. Ein schlaues Buch für junge Hörer, das den Blick erweitert. Auch im Schulunterricht ist es doch immer die weiße Perspektive, aus der Geschichte erzählt wird. Es lohnt, einmal mit anderen Ohren hinzuhören. kjk