In der Ruhe liegt die Kraft

von Redaktion

NEUERSCHEINUNG Andreas Eschbach erzählt in seinem Roman vom „Schlausten Mann der Welt“

VON AMALIA KÖPPEL

Das Glück ist mit den Tüchtigen? Von wegen! Gestatten: Jens Leunich, professioneller Faulenzer. Er ist zu der Erkenntnis gekommen, dass Erfüllung nur durch reines Nichtstun erlangt werden kann. „Wieso denken alle, es sei etwas Gutes, tüchtig und produktiv zu sein?“, fragt er sich. Schließlich seien es die Fleißigen, die mit all ihren Ambitionen letztlich den Weltuntergang vorantreiben würden. Mit seinem neuen Roman „Der schlauste Mann der Welt“ erschafft der Autor Andreas Eschbach einen Protagonisten, der in einer humorvollen wie auch tiefgründigen Geschichte vermittelt, dass die Kraft tatsächlich in der Ruhe liegt. „Die Meditationen hatten etwas in mir geweckt, das schon immer da gewesen war und bislang nur geschlafen hatte.“ Nach einer Indienreise weiß Leunich endlich, was er mit seinem Leben anfangen will: in den besten Hotels der Welt residieren, müßig sein und meditieren. „Dreißig Millionen Mark: So viel würde es kosten, den Rest meines Lebens in vollkommenem Luxus zu verbringen“, rechnet er sich als 18-Jähriger aus.

Sein älteres Ich rekapituliert im Rückblick, wie er sich die Summe tatsächlich auf gewagte Weise aneignet und dann ein fast schon absurder Lebensweg seinen Lauf nimmt. Dabei beschränkt sich der Erzähler nicht nur auf eine bloße Rückblende; die Spannung zieht sich bis in die Gegenwart, die am Ende eine große Überraschung für den Leser bereithält.

Obwohl die nonchalante Art von Eschbachs Hauptfigur definitiv bewundernswert ist, fällt im Laufe der Geschichte auf, dass einige seiner Ideen nicht gründlich durchdacht sind. „Das Resultat aller Arbeit ist immer, dass die Natur beschädigt zurückbleibt“, rechtfertigt Leunich seinen Lebensstil. Seine Erklärungen sind zwar bis zu einem bestimmten Grad einleuchtend, trotzdem stellt sich die Frage, ob nicht auch Jens’ extravagante Lebensweise der Umwelt schadet. Denn entgegen seiner Maxime, kaum etwas zu besitzen, genießt er regelmäßig Flüge erster Klasse, Drei-Sterne-Menüs und lange Kreuzfahrten. Trotzdem skizziert Eschbach in diesem Roman eine Biografie, die definitiv zum In-sich-Gehen animiert und auf einige Weisheiten aufmerksam macht, die der „schlauste Mann der Welt“ für sich entdeckt hat. Ein Lesegenuss, der dazu ermutigt, sich auch mal zurückzulehnen und die Seele baumeln zu lassen.

Andreas Eschbach:

„Der schlauste Mann der Welt“. Lübbe, Köln,

222 Seiten; 22 Euro.

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