Meister des Horrors

von Redaktion

Regisseur David Cronenberg feiert heute 80. Geburtstag

VON BARBARA MUNKER

Seinen Ruf als Schockfilmer, mit Bildern von platzenden Köpfen oder pulsierenden Organen, hat David Cronenberg über Jahrzehnte hinweg zementiert. Auch in seinem jüngsten Film „Crimes of the Future“, den der Regisseur im vorigen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes vorstellte, ging es mit Körperveränderungen und herausgeschnittenen Organen grausig zur Sache. Der Kanadier, der heute 80 Jahre alt wird, hat unzählige Fans, darunter die US-Schauspielerin Kristen Stewart – neben Viggo Mortensen und Léa Seydoux einer der „Crimes of the Future“-Stars. Sie habe Freude an den morbiden Bildern, sagt Stewart. „Es zieht einen hinein, und es schreckt mich einfach niemals ab.“

Das Science-Fiction-Drama erzählt von einer dystopischen Zukunft, in der Menschen durch Technologien ihre Körper verändern können, sich neue Organe wachsen lassen, ohne Schmerzen zu empfinden. Cronenberg schrieb sein erstes Sci-Fi-Drehbuch seit seinem Cyber-Thriller „eXistenZ“ (1999) über die Erfindung eines Computerspiels mit einem Bioport, der die Menschen per Nabelschnur in künstliche Welten versetzt.

Das Filmgenre des Body-Horrors hatte Cronenberg zuvor schon genial in dem Thriller „Die Fliege“ (1986) umgesetzt. Darin mutiert ein Jungforscher (Jeff Goldblum) nach einem missglückten Gen-Experiment zu einem monströsen Insektenwesen, halb Mensch, halb Fliege. Cronenbergs frühere Welten kreisten um Sex, Fetischismus und Übergriffe der Technik auf das menschliche Leben. Die Szenarien waren faszinierend, abstoßend und kontrovers, wie schon in „Shivers“ („Parasiten-Mörder“), seinem ersten kommerziellen Erfolg im Jahr 1975. Da ging es um phallische Würmer, die Menschen in einer Hochhaussiedlung befallen und sie in sexwütige Mordmaschinen verwandeln.

2018 zeichnete das Festival in Venedig Cronenberg mit einem Goldenen Ehrenlöwen für sein Lebenswerk aus. Direktor Alberto Barbera würdigte ihn als einen der „wagemutigsten und anregendsten Regisseure aller Zeiten“. Im vorigen Herbst nahm er in San Sebastián den Ehrenpreis „Donostia“ entgegen. Früher habe er Lebenswerkpreise immer als Hinweis gesehen, dass man aufhören solle, witzelte der Regisseur damals. Aber jetzt sehe er das mehr als Ansporn weiterzuarbeiten.

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