Stars im Kinderzimmer

von Redaktion

Die Band A-ha und die Neuauflage ihres Debüt-Albums

VON JOHANNES LÖHR

Wahrscheinlich sind Morten Harkets markante Wangenknochen schuld. Der junge Norweger hatte in dem Video zum Welthit „Take on me“ einen so eindringlichen Auftritt als Schönling mit Problemen, dass die Band A-ha fortan als Teenie-Phänomen galt. Ein Image, mit dem sie lange kämpfte. Eine Neuauflage des Debüt-Albums „Hunting high and low“ von 1985 zeigt nun allerdings, wie frühvollendet der New-Wave-/Synthiepop-Hybrid des Trios aus Oslo war.

Wenig bekannt ist, dass „Take on me“ mehrere Anläufe brauchte. Bereits im Oktober 1984 hatte die Firma Warner Brothers den Song veröffentlicht, doch nur in Norwegen zündete er. Also nahmen sich A-ha einen neuen Produzenten, der den treibenden Beat, das markante Keyboard-Riff und Harkets beeindruckend sich in die Höhe schraubenden Tenor in Form brachte. Anfang 1985 – wieder ein Flop. Doch Warner gab nicht auf und investierte in einen beeindruckenden Videoclip, der Zeichentrick- und Realfilm mischte. Jetzt biss MTV an, und infolge der Omnipräsenz des kleinen Pop-Kunstwerks gingen die Verkaufszahlen durch die Decke.

Die Deluxe-Box zeigt die Entstehung des Hits und bietet diverse Alternativ-Mixe auch der anderen Singles „The Sun always shines on TV“ und des Titelsongs. Das Wiederhören zeigt außerdem, wie großartig etwa auch „Train of Thought“ ist, das von David Bowie stammen könnte. Selbst vermeintliche Füller wie der charmante Kammerpop „And you tell me“ sind famos komponiert und arrangiert – Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy war ein exzellenter Songwriter. Auf dem treibenden Achtziger-Sound von „Love is Reason“ bauten die Pet Shop Boys eine ganze Karriere.

A-ha aber blieben in den USA ein One-Hit-Wonder und hoben auch in Europa nie dauerhaft ab, auch wenn sie danach ein noch besseres und ein nur wenig schlechteres Album veröffentlichten, sogar einen James-Bond-Song aufnahmen und an kaum einer Kinderzimmerwand fehlten. Wirklich ernst nahm man in der „Bravo“ nur, ob jetzt A-ha oder die Fliegengewichtspopper von Bros die süßeren Jungs seien – und welche Farbe Mortens neues Lederbändchen hat. Es waren wohl die Wangenknochen…

A-HA:

„Hunting high and low – Deluxe Box Set“

(Warner / BMG).

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