Das Geheimnis seines Erfolgs sind gute Geschichten. „Man muss immer mit der Story beginnen“, sagte der britische Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber einmal, der heute 75 wird. Er muss es wissen: „Jesus Christ Superstar“, „Cats“ oder „Phantom der Oper“ – die Liste seiner Hit-Musicals ist lang.
1948 in London geboren, wuchs Lloyd Webber in einem musikalischen Haushalt auf. Sein Vater Komponist und Lehrer am Londoner Royal College of Music, seine Mutter Pianistin. Schon im Grundschulalter begann Andrew, Musik zu schreiben und der Familie Musicals zu präsentieren. Auch Rock und Pop beeinflussten ihn stark – alles verschmolz er zu seinem unverkennbaren Stil.
Der Durchbruch gelang ihm in einer jahrelangen Zusammenarbeit mit Texter Tim Rice. Die Kooperation endete aber mit dem Musical „Evita“, dessen Song „Don’t cry for me, Argentina“ stürmte weltweit die Charts. „Tim hatte meine Wutanfälle satt. Meine Verteidigung ist, dass es mir so wichtig ist, den Sound richtig hinzukriegen“, schrieb Lloyd Webber in seinen Memoiren.
Selbst überrascht ist er über den großen Erfolg von „Cats“ (1981), das das Musical mit der längsten Laufzeit am Broadway war, ehe es vom „Phantom der Oper“ (1986) abgelöst wurde. Auch „Starlight Express“ (1984) wurde ein Hit: Das Rollschuh-Musical wird in Bochum seit 1988 in einem eigens gebauten Theater aufgeführt. 1992 wurde Lloyd Webber von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen und 1997 in den höheren Adel erhoben. Er gehört zu einem kleinen Kreis von Menschen, die mindestens je einen der begehrten Preise Emmy, Grammy, Oscar und Tony gewannen.
Später wurde es ruhiger um ihn. Er kämpfte mit Prostatakrebs. „Ich nahm so viel Morphium und Schmerzmittel – und offen gesagt, ich trank zu viel – dass ich ehrlich dachte, alles ist vorbei“, sagte er „The Stage“. Doch der Musikverliebte kämpfte sich zurück. Mit „School of Rock“ (2015) und „Bad Cinderella“ (2021) bewies er, dass er an Kreativität nichts eingebüßt hat. Im Jahr 2017 liefen gleich vier seiner Musicals gleichzeitig am Broadway.
Wie berichtet, steht bald die Krönung seiner Karriere an: Für die Thronbesteigung von König Charles III. am 6. Mai wurde Lloyd Webber mit dem Komponieren einer Hymne beauftragt. Er sei „unglaublich geehrt“, teilte er mit. „Ich hoffe, meine Hymne wird diesem freudigen Anlass gerecht.“