Schöner Schumann

von Redaktion

Fan-Konzert auf Schloss Nymphenburg

VON TOBIAS HELL

Das Leben ist kein Wunschkonzert, ein Liederabend dagegen hin und wieder schon. Zumindest auf Schloss Nymphenburg. Denn für den Start in die neue Saison ihrer Reihe „Liederleben“ hatte die künstlerische Leiterin Akemi Murakami das Publikum explizit dazu aufgerufen, bei der Kartenbestellung für den Eröffnungsabend jeweils drei persönliche Schubert-Favoriten zu nennen. Ausgewählt wurden aus diesen Einsendungen zwölf Titel, aus denen die Pianistin gemeinsam mit Tenor Julian Prégardien einen kleinen Überraschungs-Zyklus formte.

Wie zu erwarten, fanden sich in dieser Fan-Zusammenstellung neben bewusst gesetzten Kontrastmomenten natürlich etliche Schubert-Dauerbrenner wie das „Ständchen“, „Gute Nacht“ oder „Wandrers Nachtlied“, die vom Publikum oft schon bei den ersten Takten mit wissendem Raunen begrüßt wurden. Wobei gerade die aus der „Winterreise“ oder dem „Schwanengesang“ vertrauten Lieder im neuen Kontext teilweise doch für leichte Irritation sorgten. Ein großer emotionaler Bogen war dennoch zu spüren. Selbst, wenn dem Tenor die elegisch schmachtenden Momente besser zu liegen schienen als das kämpferische Aufbäumen, bei dem er sich hin und wieder seiner machtvoll in die Tasten greifenden Begleiterin geschlagen geben musste.

Mehr aus einem Guss präsentierte sich die folgende „Dichterliebe“. Wohl deshalb, weil sich das Duo nun ganz auf den Johannissaal eingeschwungen hatte und das intime Ambiente dazu nutzte, auch die leiseren Töne in Schumanns Komposition bewusster auszukosten. Makellos die Diktion, mit der Prégardien die Texte Heinrich Heines hier auf dem Silbertablett servierte. Gespiegelt in der ähnlich nuancierten Interpretation Murakamis, die mit konzentriertem Anschlag den Text oft bereits vorausahnen, oder im Nachspiel sanft ausklingen ließ.

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