Ob es in den heutigen Olympischen Dörfern nicht nur um Weit-, Drei-, sondern auch um Seitensprünge geht, weiß keiner genau. Man sollte davon ausgehen. Vor 300 Jahren wurden über solche Dinge ganze Opern geschrieben. „L’olimpiade“ erzählt eine amouröse Dreiecksgeschichte um einen antiken Olympiasieger. Antonio Vivaldi hat das vertont, seine Oper ist eine von drei szenischen Produktionen, mit denen die Innsbrucker Festwochen im kommenden Sommer unter die alpine Nordkette locken.
Am Pult steht letztmals Alessandro De Marchi. Der Intendant verlässt nach 14 Jahren eines der wichtigsten Barockfestivals. Für „L’olimpiade“ hat er sich Promis wie die Countertenöre Bejun Mehta und Raffaele Pe sowie den Sopranisten Bruno de Sá gegönnt. Als Titelheldin ist Sophie Rennert dabei. Regie führt bei der Produktion im Tiroler Landestheater Stefano Vizioli, der bereits mehrfach in Innsbruck aktiv war.
In De Marchis finalem Sommer wird vom 11. Juli bis zum 29. August programmatisch geklotzt. Neben „L’olimpiade“ gibt es noch zwei weitere Vivaldi-Opern: „Juditha triumphans“ und „La fida ninfa“ als traditionellen Nachwuchsbeitrag der „Barockoper:Jung“. Eingebettet ist das wie immer in viele Konzerte, durch die sich Werke von Vivaldi wie ein roter Faden ziehen. Auch hier sind Promis dabei, etwa Rinaldo Alessandrini mit seinem Concerto Italiano, Dirigent und Cembalist Christophe Rousset oder Giovanni Antonini und sein Ensemble Il Giardino Armonico. Insgesamt sind 48 Veranstaltungen an über ein Dutzend Spielstätten geplant, darunter auf Schloss Ambras, in der Stiftskirche Wilten oder für die „Musica montana“ auf Almen rund um Innsbruck.
Der Titel der Eröffnungsoper hat symbolische Bedeutung. Mit „L’olimpiade“ startete De Marchi 2010 in seinen ersten Festwochen-Sommer, damals war es die Vertonung von Nicola Porpora. Ein „wunderbarer Kreis“ schließe sich daher, sagt er. De Marchi kam seinerzeit als Nachfolger von René Jacobs nach Innsbruck. Das Festival hat sich in diesen 14 Jahren deutlich gewandelt. Auch aus finanziellen Gründen ist es mittlerweile zu einer Sparte des Tiroler Landestheaters geworden. Anders als sein Vorgänger Jacobs mit seinen aufbrausenden, überrumpelnden Dirigaten gab De Marchi stets den noblen, stilvollen Pultmann. Es dauerte ein wenig, bis der Venezianer ins Festival hineinwuchs. Doch bald hatte er es auf seine Weise und mit seinen so besonderen Opern-Ausgrabungen geprägt. „Seine Verdienste sind vielfältig, die Spuren, die er hinterlässt, werden lange sichtbar bleiben“, lobt ihn Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi.
Nachfolger von Alessandro De Marchi wird Ottavio Dantone, ebenfalls Cembalist und Dirigent. Der 61-Jährige ist seit 1996 Musikalischer Leiter der Accademia Bizantina in Ravenna, sein Vertrag gilt für fünf Jahre.
Informationen
zum genauen Programm und zum Vorverkauf unter www.altemusik.at.