Traumschönes aus Verona

von Redaktion

Wiederaufnahme von „Romeo und Julia“ beim Bayerischen Staatsballett

VON MALVE GRADINGER

Es altert einfach nicht, dieses wunderbare Ballett „Romeo und Julia“. Wie könnte es? Bei so vielen Künstlern, die es geschaffen haben: Shakespeare, Prokofjew und seit der Uraufführung 1938 von Vanja Ivo Psota immer wieder neu inspirierte Choreografen. Wir meinen: John Crankos Version in der Stuttgarter Endfassung von 1962, von München 1968 übernommen, ist die bildhafteste, einfach die schönste.

Allein schon Jürgen Roses fast filmisch hingezaubertes Verona, diese Prachtgewänder für die selbstbewussten Capulets und Montagues, die vielfarbigen Kostüme für das wilde Karnevalstreiben. Da wäre man zu gerne dazugehüpft. Robertas Servenikas hatte den schwierigen Prokofjew im Griff, setzte mit dem Staatsorchester immer wieder auf Tempo. Genau der richtige Ansporn für das Ballettensemble in den Feier- und Fechtszenen. Dito für Yonah Acosta, der als leichtfüßiger „Speed-Mercutio“ die Ballgesellschaft der Capulets durcheinanderwirbelt. Auch Ariel Merkuri gibt seinem Benvolio beste Kontur.

Und Julian MacKay erstmals als Romeo? Im kurzen Männer-Trio mit den Freunden Mercutio und Benvolio gehen ihm die wiederholten „Tours en l’air“ (in der Luft gedrehte Sprünge) daneben. Man hält kurz den Atem an. War MacKay aufgeregt? Noch nicht warm getanzt? Oder ist er sicherer bei Linksdrehungen? Aufatmen dann, als der schlanke Blonde sich gefangen hat und ihm in der Balkon-Szene mit seiner Julia ein traumschöner Pas de deux gelingt: er technisch sicher und perfekt in den vielen kniffligen Cranko-Hebungen; Madison Young, eine feingliedrige, gewiss „leichte“ Ballerina, die selbst die Gabe hat, in die Hebungen hineinzuschweben.

Der Abend gelingt auch durch Staatsballett-Veteranen wie Peter Jolesch als Herzog von Verona und Pater Lorenzo, durch die elegante Severine Ferrolier als Gräfin Capulet. Emilio Pavan ist nach längerer Krankheit zurück als imponierender Tybalt. Und der junge Sergio Navarro als verschmähter Graf Paris weist ballettreal in die Ensemble-Zukunft. Dass einem der Abend mit zwei Pausen und der Grabesgruft-Szene etwas lang wird – nun ja. Schon Staatsballettgründerin Konstanze Vernon wollte die Lilienmädchen in Julias Schlafgemach wegkürzen. Aber da gibt es wohl unüberwindbare Erbrechte.

Weitere Vorstellungen

am 6. und 9. Juni; in der Ballettfestwoche heute „Cinderella“, am 8. April „Tschaikowski-Ouvertüren“; www.staatsballett.de

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