Weit zurück, in die Zeit der zu Ende gehenden Renaissance und des aufbrechenden Barock, lockten Philippe Jaroussky und das von Christina Pluhar an der Theorbe angeführte Ensemble L’Arpeggiata ihr Münchner Publikum beim Festkonzert zum 20-jährigen Miteinander. Dabei schlugen die weltweit gefeierten Interpreten in der Isarphilharmonie eher unbekannte Töne an. Jaroussky zog es zu den Ursprüngen des Solo-Gesangs und somit zur „Air de Cour“ zurück, der höfischen Arie, die Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts am französischen Hof erblühte und weg vom polyphonen Stimmenkonstrukt hin zur Solostimme mit Begleitung führte. Jaroussky band mit den L’Arpeggiata-Kollegen einen bunten Strauß aus Liebesliedern, die entsagend, introvertiert, aber auch heiter und rhythmisch aufgekratzt daher kamen. Sie schlugen den Bogen von Antoine Boëssets geradezu keuschem und noch sehr zurückhaltend intoniertem „Nos esprits libres et contents“ bis hin zu Monteverdi, Rossi, Purcell.
Schon in Gabriel Batailles schwungvollem Aufruf zur Seefahrt, „El baxel està en la playa“, betrat Jarousskys „Kontrahent“ die Szene: Doron Sherwins meisterlich geblasenes Cornet à bouquin. Ein Zink, der den Sologesang fortspann, herausforderte und in Étienne Mouliniés „Concert des différents oiseux“ herrlich mit der Stimme duettierte. Überdies lud Sherwin ihn bei den instrumentalen Improvisationen mit jazziger Lust auf und stahl seinen Kollegen an Barockgeige, Viola da gamba, Barockharfe, Kontrabass, Schlagzeug, Orgel/Cembalo und Theorbe/Barockgitarre, die natürlich auch ihre Soli nutzten, beinahe die Schau.
Nur zu gern folgten die Zuhörer in der dicht besetzten Isarphilharmonie Jarousskys Carpe-diem-Aufforderung in Pierre Guéderons „Aux plaisirs, aux délices bergères“ oder dem temperamentvoll, tänzerischen Narrheitslob „Yo soy la locur“ von Henry de Bailly, bei dem der Sänger sogar zum Fächer griff. Im scharfen Kontrast dazu umschmeichelte Jarousskys seidenweicher, in Koloraturen und Verzierungen immer noch höchst flexibler Counter die Fans in Arnaltas Wiegenlied aus „L’incoronazione di Poppea“. Standing Ovations und Show-Zugaben.