Bei einem Festival mit Wagner-Schwerpunkt lässt ein berühmter Ausspruch des Komponisten meist nicht lange auf sich warten: „Kinder, macht Neues!“ Und natürlich findet sich dieses bevorzugte Zitat aller Bilderstürmer und selbst ernannten Retter des Theaters auch im Programmheft eines Abends, den es so in der Geschichte der Salzburger Osterfestspiele wohl noch nicht gegeben hat. „Westbam meets Wagner“ ließ den in der Rave-Kultur der Neunzigerjahre groß gewordenen DJ auf den Bayreuther Meister treffen und vereinte damit scheinbar Unvereinbares.
Beim Blick in die Felsenreitschule schien das Konzept durchaus aufgegangen zu sein, zeigte sich doch ein deutlich gemischteres Publikum – inklusive Kapuzenpullis oder hippen Kopf-Bedeckungen –, als man es sonst beim elitärsten aller Festivals gewohnt ist. Wobei man mit Mut zum modischen Individualismus ganz auf Linie mit dem Star des Abends war, der in Frack und Baseball-Kappe entspannt auf die Bühne schlurfte, um das Mischpult hinter den Musikerinnen und Musiker der Mendelssohn-Orchesterakademie des Gewandhausorchesters in Beschlag zu nehmen.
Der folgende Mix aus Live-Musik und elektronischer Übermalung funktionierte zum Teil überraschend gut. Etwa beim „Rheingold“-Vorspiel, dessen berühmter Es-Dur-Akkord einem synthetischen Brummen wich, das die Keimzelle für das erste Set bildete.
Anderes, wie das über dem „Tristan“-Vorspiel gesampelte Raunzen von Ben Becker, war dagegen entbehrlich – beziehungsweise oft einfach zu sehr auf der Stelle tretend, für einen Abend, der sich von ursprünglich angekündigten 60 Minuten auf knapp zwei Stunden zog. Reichlich beliebig wirkten leider oft auch die Videoprojektionen, die meist in der Hipster-Hochburg Berlin gedreht wurden, oder wohl noch auf der Festplatte von Visual-Designer Bertil Mark schlummerten. Wobei er sich den Kalauer entgehen ließ, eine U-Bahn-Fahrt nach Wedding mit dem Hochzeitsmarsch aus „Lohengrin“ zu untermalen. Ein wenig Theatermagie brachte da zur Schluss-Apotheose ausgerechnet die altbewährte Discokugel zurück, die zum wummernden Remix des „Parsifal“-Finales den Saal mit einem Sternenmeer flutet.
Die Grundidee des Abends ist durchaus nicht verkehrt: Ein DJ, der die Festspiele im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich aufmischen soll. Allerdings wurde er durch diese zahme Rave-Party mit nummerierten Sitzplätzen am Ende doch eher selbst domestiziert. Ob das Experiment im ersten Anlauf geglückt ist, lässt sich wohl am besten typisch Salzburgerisch mit diesem Satz beantworten: „Ja naa, waassd eh!“.