Es ist vollbracht

von Redaktion

Johannespassion in der Isarphilharmonie

Die Frage, welcher der Bach-Passionen man persönlich den Vorzug gibt, dürfte so alt sein wie die zwei Meisterwerke selbst. Und angesichts des reichhaltigen Konzertangebots zu Ostern herrschte zum Glück auch kein Mangel an Auswahl. Eine Sängerin, die heuer gleich das Doppel wagte, war Altistin Wiebke Lehmkuhl, die am Karfreitag nach einer nachmittäglichen „Matthäuspassion“ in der Isarphilharmonie abends auch kurzfristig für eine erkrankte Kollegin die „Johannespassi-on“ übernommen hatte. Wobei man über diese freudige Überraschung leider weder durch einen Einlegezettel im Programmheft noch mit einer Ansage informiert wurde. Der Blumenstrauß am Ende mag da eine kleine Versöhnung gewesen sein. Ebenso wie der einhellige Jubel für alle Beteiligten.

An erster Stelle natürlich für den ausgewiesenen Bach-Spezialisten Ton Koopman am Pult (sowie an der Truhenorgel), der mit dem schlank besetzten Amsterdam Baroque Orchestra & Choir eine überaus transparent musizierte Lesart der Partitur vorstellte. Mit straffen Tempi in den Chorälen, derweil mit der nötigen Ruhe für die großen Arien des zweiten Teils. Dies ließ sich unter anderem im von Wiebke Lehmkuhl intensiv gestalteten und dunkel leuchtenden „Es ist vollbracht!“ bewundern, dessen hypnotische Sogkraft sich gerade aus der innigen Interaktion mit den sie tragenden Continuo-Spielern speiste.

Aber auch bei Daniel Schmutzhard, der neben den Christusworten ebenfalls für die Bass-Arien antrat und sich beim „Mein teurer Heiland, lass dich fragen“ mit dem Chor die Bälle zuspielte. Ein Musizieren auf Augenhöhe, bei dem alle an einem Strang zogen und Koopman als umsichtiger Vermittler fungierte. In engem Kontakt vor allem mit Evangelist Tilman Lichdi, dem es trotz klarer Artikulation in den erzählenden Passagen für die Tenorarien ein wenig an der nötigen Geschmeidigkeit fehlte. TOBIAS HELL

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