Begegnung mit Bach

von Redaktion

Albrecht Schuch über seine Rolle als Komponist in einer neuen Hörbiografie

VON ULRIKE FRICK

„Nicht Bach sollte er heißen“, hat angeblich Ludwig von Beethoven über seinen Kollegen Johann Sebastian Bach gesagt. „Sondern Meer. Wegen seines unendlichen unausschöpfbaren Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien.“ Die neue CD-Hörbiografie von BR Klassik widmet sich nun dem derart Gepriesenen und seiner bis heute modern anmutenden, bahnbrechenden Musik.

Autor Jörg Handstein hat Bachs Vita sinnvoll zum Hörspiel aufbereitet und mit zahlreichen markanten Zitaten garniert. „Bach – Die Geheimnisse der Harmonie“ spannt den Bogen weit, von der Jugend als Sohn des Stadtpfeifers über die bekannten Stationen als Organist, Konzertmeister, Kapellmeister und schließlich mit 27 Jahren Thomaskantor in Leipzig. Zweimal verheiratet. 20 Kinder, von denen die meisten früh starben.

Das lebendige Hörspiel (Erzähler: Udo Wachtveitl) lässt viele Zeitgenossen zu Wort kommen und thematisiert eine Menge Ereignisse. Daraus entsteht eine wundervolle Zeitreise für Jugendliche und Erwachsene. Kombiniert wird das Ganze natürlich mit vielen Musikbeispielen der bekanntesten Kompositionen des Meisters, vertreten sind hier Prominente wie Sir John Eliot Gardiner, Glenn Gould, Trevor Pinnock und Viktoria Mullova. Dazu gibt es zwei Bonuswerke, eingespielt vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Howard Arman.

Albrecht Schuch spricht Johann Sebastian Bach. Das gelingt dem 1985 in Jena Geborenen mit besonderer Intensität. Der vermutlich wandlungsfähigste und allein deswegen momentan gefragteste Schauspieler seiner Generation war von seinen ersten Erfolgen in Spielfilmen wie „Lieber Thomas“, „Berlin Alexanderplatz“ oder „Die Vermessung der Welt“ immer dafür bekannt, in jeder Rolle wieder komplett anders auszusehen. Mit Haut und Haaren begibt er sich in jeden Charakter hinein, sei es als Jugendtherapeut in „Systemsprenger“ oder zuletzt als Soldat Stanislaus Katczinsky in der gleich vierfach Oscar-prämierten Produktion „Im Westen nichts Neues“.

Für Schuch soll es am besten immer wieder etwas Neues sein, deswegen hat ihn das Hörspiel-Projekt so gereizt: „Es ging ausschließlich um den Umgang mit der Stimme, und das fand ich sehr spannend. Weil es für mich etwas anderes war, sich einmal nur auf den Text und eventuell noch die Stimmen der Kollegen zu konzentrieren, die neben einem auf der Bühne stehen.“

Ein besonderes Schmankerl für Schuch persönlich war die Tatsache, dass er dem in Eisenach geborenen Komponisten auch eine sanfte Dialektfärbung Thüringisch verleihen konnte. „Das war schön für mich, einmal in dem Dialekt meiner Heimat zu arbeiten, mit dem ich selbst aufgewachsen bin.“ Dialekt gehe, so Schuch, einfach unmittelbarer ins Herz der Menschen. Das, verbunden mit der besonderen Sprachmelodie, ergebe schon einen wichtigen Teil des Charakters, den man als Sprecher herstellen möchte.

Eine besonders innige Beziehung zu Bach hatte Schuch vor der Arbeit an dem Hörspiel nicht. „Ich kannte natürlich viele Stücke von ihm. Als mein Bruder klein war, habe ich ihm zum Einschlafen gerne das Weihnachtsoratorium vorgespielt, das wir zu Hause auf Platte hatten. Später war ich dann im Jugendchor der Jenaer Philharmonie, da habe ich Auszüge daraus auch selbst gesungen.“

Ein paar Jahre danach studierte Albrecht Schuch an der Schauspielschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig, wo der Komponist ja nicht nur seine größte Schaffensphase hatte, sondern auch bis heute sehr präsent ist. „Es gab daher immer wieder diese ‚Nebenbei-Begegnungen‘ mit Bach“, sagt Schuch. „Ich suchte das nicht extra, aber natürlich habe ich mal ein Konzert des Thomaner-Chors gehört, und da kommt ja immer was von Bach vor. Besonders seine Orgelmusik mag ich sehr. Die kann man sich zwar meiner Meinung nach nur sehr schwer auf Platte anhören. Aber in der Kirche ist das mächtig und gewaltig und genau so, wie es sein muss.“

Jörg Handstein:

„Bach. Die Geheimnisse der Harmonie“.

Gelesen von Udo Wachtveitl und Albrecht Schuch

(BR Klassik).

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