CD Dramen ohne Opernbühne

von Redaktion

Hervorragend (((((

Schon der Titel sagt es ja: Um die klassische Arie, um die Szene einer Oper geht es hier nicht. Und auch nicht ums landläufige Klavierlied. „Monologues“, also Monologe, sind eine eigene Darstellungsform. Eine aufs Mini-Drama eingedampfte Gesangsszene mit Klavierbegleitung, zu der die Größten der Komponistenzunft Beiträge lieferten. Richard Wagner schrieb „Les Adieux de Marie Stuart“, bevor er berühmt und finanziell unabhängig wurde, Gioachino Rossini seine Kantate „Giovanna d’Arco“ erst nach seinem Rückzug von der Opernbühne. Beide Stücke, dazu noch Werke von Niccolò Zingarelli, Pauline Viardot-Garcìa, Mélanie Bonis und Ottorino Respighi versammelt Mezzosopranistin Anna Bonitatibus auf einer großartigen Doppel-CD. Dazu die Ersteinspielung von Gaetano Donizettis „Saffo“, Abschiedsgesang einer suizidgefährdeten Dichterin. Mit ihrer herben Tragödinnenstimme ist Anna Bonitatibus die Idealinterpretin dieser Szenen. Gerade, weil sich Belcanto-Zierrat und große Drama-Geste auf engstem musikalischen Raum drängen. Flexibilität, Textausdeutung, Farbfacetten, eine mal subtile, mal theatrale Nuancierung, all das beherrscht die Süditalienerin. Auch weil sie ein natürliches Empfinden für Pathos hat, ohne vokale Effekte auszustellen. Pianistin Adele d’Aronzo trägt sie nicht nur, sondern ist auch dramatischer Widerpart, der ein ganzes Orchester ersetzen kann. Wer diese Doppel-CD hört, bekommt Ersatz für gleich mehrere Opernbesuche.  th

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